Ziv Ravitz | No Man Is an Island

Auch eine Pause kann Musik sein. Warum sie hier, im letzten Stück, ganze 45 Sekunden dauert, erschließt sich aber kaum. Die Zäsur trennt zwei völlig disparate Teile für Akkordeon und Schlagzeug: anfangs lang gezogene, flirrende Klänge vor dumpf grollenden Toms, dann ein kraftvolles Groove-Duett Harmonika/Drumset („Sleep Next To Me“).


Wenn heutige Schlagzeuger als Bandleader antreten, gibt es oft was zu entdecken. Ziv Ravitz konnte man hierzulande als Mitglied des Trios Minsarah erleben, später bei Lee Konitz, Omer Klein, Shai Maestro, Yaron Herman. „Taktgeber der jungen israelischen Jazzszene“ nannte ihn die Jüdische Allgemeine – und lag doch daneben. „Die Möglichkeiten des Schlagzeugs sind unermesslich“, sagt Ravitz. „Viele Drummer sehen nur das Takt- und Formgeben, dabei bietet es einen Ozean an schönen Klängen. Kleinste Veränderungen der Textur verändern die ganze Musik.“ Statt die Time zu klopfen, spielt Ravitz mit fließenden Strukturen und elektronisch getriggerten Sounds und Patterns.
Der Titel „No Man Is An Island“ ist Programm: Jeder ist mit jedem verbunden, Interaktion nach allen Seiten. Schon die Besetzung ist eine Herausfordung: Im Trio ohne Bass, ohne Klavier, aber mit dem Gitarristen Nir Felder, der Harmonien und Linien vor allem als Klänge einsetzt, liegt es nicht gerade nahe, über eine swingende Rhythm-Section zu jazzen. Stattdessen gewebeartige, schwebende Texturen, aus denen Will Vinsons beißendes Altsax heraussticht. Als Gäste setzen vor allem die betörende Vokalistin Camille Meza und – siehe oben – der französische Akkordeonstar Vincent Peirani zusätzlich attraktive Akzente. Und bei jedem Hören lässt sich Neues entdecken.

Berthold Klostermann

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Ziv Ravitz | No Man Is an Island
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Musik:
4,50
Klang:
4,50

Ziv Ravitz: No Man Is An Island; Ziv Ravitz (dr, key, electr), Will Vinson (as), Nir Felder (g); Gäste: Gilad Hekselman (g), Vincent Peirani (acc), Camille Meza (voc); O-Tone / Edel