Zhenya Strigalev | The Change

Geografisch könnten die Wohnorte der beiden Akteure des abenteuerlichen „The Change“-Albums nicht weiter entfernt sein. Der russische Altsaxofonist Zhenya Strigalev lebt jetzt nach Aufenthalten in London und New York wieder in seiner Heimatstadt Petersburg.


Schon vor längerer Zeit hatte er bei Kursen an der Royal Academy Of Music in London den argentinischen Gitarristen Federico Dannemann kennengelernt. Da sie in ihren musikalischen Vorstellungen übereinstimmten und sich zudem eine Freundschaft entwickelte, blieben die beiden Musiker auch weiterhin in Kontakt.
Im Juni 2018 besuchte Dannemann den Saxofonisten in Petersburg. Dort wurde auch vorliegende, äußerst temperamentvolle Session mitgeschnitten, die Rock-Jazz-Fans zahlreiche Glücksmomente bescheren wird. Dabei handelt es sich keineswegs um eine plumpe Variante des Genres, sondern um acht komplexe Themen, die zu gleichen Anteilen von den Künstlern eingebracht wurden.
Wie kongenial sich diese in ihren Auslegungen ergänzen, demonstrieren Dannemann mit „Algo Rhythm“ und Strigalev – ebenso raffiniert – mit seinem darauffolgenden Stück „Pulse“. Sie überraschen mit unvorhersehbaren Wendungen, in denen sich der Altsaxofonist und Gitarrist im melodischen Austausch ergänzen. Ihre technisch brillanten Improvisationen führen zu packenden Motivkaskaden, wobei sie neue Elemente aus ihrer musikalischen Entwicklung einbringen. Durch die wuchtigen Einsätze des Rhythmus-Teams werden ihre Diskurse noch stärker hervorgehoben. Ein Bravourstück ist „Total Silence“, das alles andere als ruhig klingt. Stattdessen entpuppt es sich als eine witzige, rockige Nummer mit tollem Drum-Feature und einem im Reggae-Groove endenden Schluss.

Gerd Filtgen

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Zhenya Strigalev
Download bei qobuz
Musik:
4,50
Klang:
4,00

Zhenya Strigalev – Federico Dannemann: The Change; Zhenya Strigalev (sax), Luques Curtis (b), Obed Calvaire (dr) u. a.; Rainy Days / H’Art