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WDR Sinfonieorchester, Chamber Players | Bruch: Streichquintette, Streichoktett

Max Bruch als hoffnungslosen Anachronisten abzustempeln wäre nicht recht. Und ihn auf sein bekanntes Violinkonzert einzuengen auch nicht. Gerade in seiner fast unbekannten Kammermusik gibt es Spannendes zu entdecken. Man nimmt in den hier eingespielten späten Werken – sie entstanden in den letzten drei Lebensjahren des Komponisten ab 1918 – deutlich wahr, dass Bruch die stilistischen Neuerungen seiner Zeit verfolgte. Gelegentlich klingt im a-Moll-Quintett der Ton von Schönbergs Streichsextett „Verklärte Nacht“ an, oder auch impressionistisches Flair zu Beginn des Es-Dur-Quintetts. Dass ermit 80 Jahren am Ende seines Lebens zum Avantgardisten würde, wäre auch viel verlangt.

Bruch steht in der Linie Beethoven/Mendelssohn/Schumann/Brahms. Beethovens rhythmischer Puls durchzieht etwa der Kopfsatz des a-Moll-Quintetts, Mendelssohns Drive lässt sich im Ok-tett erkennen. Dennoch ist hier nichts epigonal. Der düster-melancholische es-Moll-Mittelsatz des Oktetts reflektiert sicher die Depression nach dem Ersten Weltkrieg, wie man sie auch in Elgars Werken hören kann. Und Bruchs Oktett ist nicht wie viele andere Oktette, die auf Mendelssohns Geniestreich von 1825 folgen, eine Blaupause die-ses Werkes. Die Chamber Players des WDR Sinfonieorchesters präsentieren sich als sehr homogene Streichergruppe, mit sehr profilierten Musikern – wie etwa der Primgeigerin Ye Wu – in den Solopassagen. Sie differenzieren die romantischen Farben vielfältig, bündeln die rhythmische Kraft auf mitreißende Weise und machen die strukturellen Prozesse nachvollziehbar. Diese drei exzellent geschriebenen Kammermusikwerke – sie waren bis in die 1980er-Jahre verschollen – lohnt es zu kennen. Ihnen gebührt ein Platz im Repertoire.

Elisabeth Richter

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Klang:
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Max Bruch als hoffnungslosen Anachronisten abzustempeln wäre nicht recht. Und ihn auf sein bekanntes Violinkonzert einzuengen auch nicht. Gerade in seiner fast unbekannten Kammermusik gibt es Spannendes zu entdecken. Man nimmt in den hier eingespielten s

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