Vox Clamantis | Kreek: The Suspended Harp of Babel

Neue Musik aus dem Baltikum erfreut sich bereits seit Jahren großen Zuspruchs und wird vor allem durch Komponisten wie Arvo Pärt, Erkki-Sven Tüür oder Tõnis Kaumann repräsentiert. Hierzulande kaum präsent hingegen ist das Werk des estnischen Komponisten Cyrillus Kreek. Sehr zu Unrecht, wie die aktuelle CD des herausragenden Ensembles Vox Clamantis beweist.


Wie seinerzeit etwa Béla Bartók oder Zoltán Kodály sammelte und bearbeitete auch der 1889 im estnischen Ridala geborene Cyrillus Kreek zeitlebens geistliche und weltliche Lieder seiner Heimat. Kreek, selbst Leiter zahlreicher Chöre und Organisator großer Sängerfeste, verarbeitete viele weltliche und geistliche estnische Melodien in seinen Kompositionen. Auf diesen besonderen Aspekt seines Œvres fokussierte sich Jaan-Eik Tulve bei der Auswahl des Repertoires für diese Aufnahme: Sie enthält neben Volkshymnen auch vier der insgesamt sieben eigenständigen, von Kreek eingerichteten Psalmen.
Einen besonderen Reiz dieser meditativen und anrührenden Musik machen die instrumentalen Sequenzen und Zwischenspiele aus, die der italie­nische Komponist Marco Ambrosini beigesteuert hat. Klingende musikethnische Zeugnisse einer langen folkloristischen Tradition: die Nyckelharpa, ein schwedisches Streichinstrument, dessen Saiten durch die Betätigung von Tasten verkürzt werden, und die Kannel, ein der Zither verwandtes Instrument. Eindrucksvoll zu erleben ist diese Kollaboration etwa in dem Choral „Ma tulen taevast ülevelt“ („Vom Himmel hoch da komm ich her“) oder dem auf einem estnischen Runenlied basierenden „Jakobi unenägu“ („Jakobs Traum“).
Seine makellose Intonation und Homogenität stellt der Chor besonders bei den A-cappella-Stücken wie den Psalmen 121 und 137 unter Beweis.

Thomas Otto

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Kreek: The Suspended Harp of Babel

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Kreek: The Suspended Harp of Babel; Vox Clamantis, Jaan-Eik Tulve (2018); ECM