Vincent Peirani | Abrazo

Nach ihrem umjubelten Duo-Debüt „Belle Époque“ 2014 zelebrierten Emile Parisien und Vincent Peirani in über 600 Konzerten weltweit derart genüsslich ihre typisch französische Kooperation, dass sie im Laufe der Jahre beinahe, aber nicht ganz, ein sehnlich erwartetes Sequel vergaßen. Nun ist „Abrazo“ endlich da, dessen Name nicht etwa einer bekannten Stahlwolle huldigt, sondern ihre innige Verbindung als „Umarmung“ treffend auf den Punkt bringt.


Thematisierte ihr Erstling – angesichts des Titels historisch nicht ganz korrekt – den Jazz des 1920er-Jahre unter opulenter Würdigung von Sidney Bechet, spannt sich nun der Bogen von Jelly Roll Morton („The Crave“) bis zu Kate Bush und ihren „Army Dreamers“. Dazwischen tanzen die beiden Jazzer variantenreich Tango, vor allem zu den Klängen von Xavier Cugat („Temptation“), zwei Stücken des großen Astor Piazolla sowie zu „A Bebernos Los Vientos“ des Gitarristen Tomás Gubitsch, der hierzulande kaum jemandem ein Begriff ist.
Dass man selbst bei den populären Tracks des „Tango Nuevo“-Inventors Schwierigkeiten hat, hier dessen Handschrift zu erkennen, zeigt einmal mehr, wie sehr sich Peirani und Parisien ihr Ausgangsmaterial zu eigen machten. Mit einem in den Bassregistern pumpenden Akkordeon, das gelegentlich einzelne Töne brillant absterben lässt und ansonsten mit feinen Klangflächen von flirrender Farbigkeit das absolut unverwechselbare Sopransax begleitet. Dessen in bestem Sinne hölzerne Intonation versprüht in verdichteter Klangbildung den Charme von Samt und Seide – ganz ohne Spuren von Coltrane, Steve Lacy oder Dave Liebman als eigenwillige Fortschreibung von Sidney Bechet. À deux tändeln ihre Instrumente überwältigend intensiv: très française et très formidable.

Sven Thielmann

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Peirani – Parisien: Abrazo

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Peirani – Parisien: Abrazo; Emile Parisien (ss), Vincent Peirani (acc); ACT / Edel

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