Viktoriia Vitrenko | György Kurtág: Scenes

Dass György Kurtág ein Meister musikalischer Aphoristik ist, ist kein Geheimnis. Selten hat man diese hervorstechende Qualität seiner Musik allerdings mit solch einer Intimität und Ausdrucksintensität vernommen, wie in dieser Einspielung von Vokalzyklen. Die Auseinandersetzung mit Dichtung ist ein wesentlicher Impulsgeber in Kurtágs Schaffen, dabei werden seine Stücke – ob mit oder ohne Gesang – selbst zu Poesie, die mit gestischer Schärfe und unnachahmlicher Materialökonomie suggestive Bilder und Szenen entwirft.


Einen großen Anteil an der Eindringlichkeit dieser Produktion hat die Sopranistin Viktoriia Vitrenko, die in den „Scenes from a Novel“ op. 19 zwischen Lyrismus und Burleske mit großer Natürlichkeit agiert, ohne jede überzogene Dramatik und Expressivität – ein Glücksfall für diese 15 Lieder nach Gedichten von Rimma Dalos, die in der unkonventionellen Besetzung Sopran, Violine, Kontrabass und Zymbal farbintensiv und gestenreich musikalische Versatzstücke aus Volks- und Popularmusik integrieren. Das Zymbal ist eines der Lieblingsinstrumente des ungarischen Komponisten und heimlicher Protagonist dieser Einspielung: nicht nur in den Acht Duos für Violine & Zymbal op. 4, sondern insbesondere in den Sieben Liedern op. 22, wo die resonanzträchtigen Klänge Luigi Gaggeros entscheidenden Anteil haben an der (alp-)traumhaft versponnenen Atmosphäre einsamer Klangräume.
Die Ersteinspielung der „Sätze aus den Sudelbüchern Christoph Lichtenbergs“ op. 37a verkörpert in Anlehnung an den Duktus von Lichtenbergs Geistesblitzen einen Extrempunkt musikalischer Aphoristik. Gemäß der Ironie der Vorlagen lässt es Vitrenko hier skurriler und melodramatischer angehen. 22 Kleinode kompositorischer Konzentration auf das Wesentliche.

Dirk Wieschollek

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Viktoriia Vitrenko | György Kurtág: Scenes

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Kurtág: Scenes; Viktoriia Vitrenko, David Grimal, Luigi Gaggero, Niek de Groot (2018); audite