Veronika Harcsa | Debussy NOW!

Es ist schon erstaunlich, dass Claude Debussy, den selbst Duke Ellington als einen seiner Vorfahren bezeichnete, kaum einen spürbaren Niederschlag im Jazz fand. Ganz im Gegensatz zu Erik Satie, dessen Klavierstücke heute quasi europäische Standards sind. Umso bemerkenswerter, dass sich die ungarische Vokalistin Veronika Harcsa nun unter dem Titel „Debussy NOW!“ mit dem Liedgut des großen französischen Impressionisten auseinandersetzt.

„The music is easy to love but hard to explain“, so Alex Ross 2018 in The New Yorker, was auch für die sphärischen Anverwandlungen dieses mit Stimme, Harfe und Live-Electronics plus Gitarre eigenwillig besetzten Trios gilt. Dass sie auf elf Tracks chronologisch durch Debussys Œuvre geistern, das hier von „Beau soir“ (1878, 1880 oder 1890) über „Trois mélodies de Verlaine“ (1891) bis zu „La fille aux cheveux de lin“ (1881: Vertonung eines Gedichts von Leconte de Lisle, 1910: achtes der berühmten Préludes) reicht, muss sich der Hörer selbst erschließen. Was nicht von Nachteil ist, weil man dabei den Originalen begegnet und dadurch die radikalen Neudeutungen dieses Trios erst so richtig begreift.

Ihr Sound-Design öffnet unglaubliche, von immensem Hall geprägte Räume, in denen Veronika Harcsas glasklar artikulierter Sopran in psychedelischer Intensität schwebt, getragen von einer flirrenden Harfe, die Anastasia Razvalyaeva gelegentlich gar wie ein Cymbalon klingen lässt. In den hypnotischen Zauber webt Márton Fenyvesi neben sanften Gitarrenmelodien vor allem geräuschhafte Patterns, die Debussys zarte Ton-Poeme in erregende Ambient Music transformieren. Der perfekte Sound­track für interstellare Reisen in einem Planetarium.

Sven Thielmann

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Veronika Harcsa | Debussy NOW!

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4,50
Klang:
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Veronika Harcsa u. a.: Debussy NOW!; Veronika Harcsa (voc), Anastasia Razvalyaeva (harp), Márton Fenyvesi (live electr, g); BMC/Galileo

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