Vadym Kholodenko | Scriabin : Preludes, Etudes & Sonatas Nos. 4 & 5

Das perfekte Album für alle, die sich schon immer mal ausführlicher mit Skrja­bin befassen wollten. Aus zwei Gründen…

Einmal hält es in knapper und chronologischer Reihenfolge die außerordentliche kompositorische Entwicklung fest, die der Altersgenosse Rachmaninows, Ravels und Schönbergs genommen hat – es führt in acht Schritten von den frühen, noch Chopin-nahen Préludes über Kompositionen hochexpressiv-spätromantischer Tonsprache wie etwa die vierte Klaviersonate von 1903 bis hin zu Werken wie der fünften Sonate oder dem späten „Vers la flamme“ von 1914, in denen Skrjabin avantgardistisch die traditionellen formalen und tonalen Grenzen der Musik sprengte.
Zweitens hat sich Vadym Kholodenko, 1986 in Kiew geboren und 2013 Gewinner des Van-Cliburn-Wettbewerbs, mit diesem Recital auf Anhieb in die erste Reihe relevanter junger Skrjabin-Interpreten katapultiert. Was sein Spiel auszeichnet, ist eine hohe expressive Erfülltheit, dessen Bandbreite von völliger Versunkenheit bis zu gespannter Erregtheit reicht, bei aller Beredtheit aber immer perfekt „in Form“ bleibt, makellose Melodielinien zu ziehen versteht und ganz ohne klangliche und dynamische Exzesse auskommt.
Skrjabin-gerechte Expressivität verbindet sich in dieser Produktion aus dem Fazioli-Studio von Sacile nördlich von Venedig mit ästhetischem Finish der nobelsten Art: Sie ist in meiner Einschätzung auch vor dem Hintergrund der Aufnahmen eines Sofronitzki oder Horowitz, Ashkenazy oder Hamelin durchaus maßstabsetzend – und dies ist notabene zu verstehen als eine Bewertung ohne den geringsten außermusikalischen „Mitleidsbonus“ (die beiden Kinder Kholodenkos fielen 2016 an seinem Wohnsitz in den USA einem Verbrechen zum Opfer).

Ingo Harden

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Vadym Kholodenko | Scriabin : Preludes, Etudes & Sonatas Nos. 4 & 5

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Skrjabin: Préludes op. 13 und 16, Klaviersonaten Nr. 4 und 5, Poème tragique, Poème satanique, Etüden op. 42, Vers la flamme; Vadym Kholodenko (2017); harmonia mundi

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