Trio Les Esprits | Schubert

Wer der Kammermusik von Franz Schubert ein ganzes Doppelalbum widmet, sollte sich auf die Kunst des instrumentalen Gesangs verstehen. Das tun die Mitglieder des 2012 in Paris gegründeten und hierzulande noch viel zu wenig bekannten Trio Les Esprits. Und wie!


Mit ihrem fein differenzierten Klang, mit der liebevollen Verbindung der Töne zum Legato und mit einem untrüglichen Gespür dafür, wann ein Intervallschritt ein Millisekündchen hinausgezögert werden muss, um seinen melodischen Zauber zu entfalten, beglücken sie die Hörer ihrer neuen Aufnahme. Sei es in den beiden Duowerken – etwa in der Fantasie für Vio­line und Klavier, deren einleitendes Andante die Geigerin Mi-sa Yang mit einem schlanken und zugleich wehmutswarmen Timbre beseelt –, sei es in Schuberts beiden Klaviertrios aus dem Jahr 1827.
Hinreißend, wie die Interpreten die bittersüße Melancholie im Andante aus dem B-Dur-Trio in Töne fassen und dabei die beiden Streicherstimmen mit dem Flügel zu einer Einheit verschmelzen. Wie sie gemeinsam die lyrische Weite im langsamen Satz des Es-Dur-Trios ausschreiten, bevor das Idyll am Ende urplötzlich aufbricht und eine kaum geahnte Intensität von Schmerz und Verzweiflung offenbart. Das geht ans Eingemachte.
Das Ensemble spürt auch den dramatischen und den kraftvollen Facetten der Werke nach, etwa wenn der Kopfsatz aus dem B-Dur-Trio – eigentlich ein Allegro moderato – geradezu stürmisch vorandrängt. Im Kontrast zu solchen Momenten entfacht der Gesang dann eine umso stärkere Wirkung. Die innigen Passagen werden zu Orten der Sehnsucht, der Intimität und Verletzlichkeit, an denen man mit den drei exzellenten und sensiblen Musikern nur zu gern verweilt.
Das alles ist natürlich nicht vollkommen neu, aber hier in einer besonders anrührenden Weise zu erleben, die diese Schubert-Aufnahme und das Trio Les Esprits selbst zu einer großen Entdeckung machen.

Marcus Stäbler

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Adam Laloum Schubert

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Schubert: Arpeggione-Sonate, Klaviertrios Nr. 1 u. 2, Fantasie f. Violine u. Klavier; Trio Les Esprits (2018); Sony Classical (2 CDs)