The BBC Symphony Orchestra | Verklärte Nacht

Innerhalb von 22 Jahren sind die Werke des Albums uraufgeführt worden. Zwei von ihnen liegt Richard Dehmels 1896 erschienenes Gedicht „Verklärte Nacht“ zugrunde.

Über Schönbergs gleichnamiges Streichsextett und die berühmtere, hier vorliegende spätere Fassung für Streichorchester ist alles gesagt – Edward Gardner und die Streicher des BBC Symphony Orchestra fächern die vorhaltsüchtige Fin-de-siècle-Partitur mit luzidem Zugriff auf, da gehen keine Nebenstimmen durch romantische Trunkenheit verloren.

Als hinreißende Entdeckung erweist sich Oskar Frieds Dehmel-Vertonung für Mezzosopran, Tenor und großes Orchester. Fried ist heute als Dirigent und Mahler-Pionier in Erinnerung. Raffiniert verwebt er die beiden Stimmen in den Erzähler-Passagen, um dann die Monologe, erst der Frau, dann des Mannes, als expressive Szenen anzulegen. „Mir klingt es selbst zu schön, ich ersaufe in dieser Musik,“ hat Fried später gemeint. Das mag sein, aber so kunstvoll kontrolliert berauscht man sich gern.

Nicht minder beglückend ein Nebenwerk von Franz Lehár, die Tondichtung „Fieber“ für Tenor und großes Orchester, entstanden 1915. Der Operettenkönig komponiert den Fiebertraum eines Soldaten auf dem Sterbelager mit der bitteren Härte eines Zemlinsky, montiert beinahe mahlerhaft bittere Marschfetzen in die Fantasien des Kadetten – unter anderem den Rákóczi-Marsch: Das hätte man Lehár nicht zugetraut. Danach wirken Korngolds Lieder des Abschieds op. 14, trotz raffinierter Instrumentation geradezu konventionell. Der fünfte Musikstern für das tolle Programm fehlt allein, weil Stuart Skelton verquollen, fantasielos und wenig deutlich singt.

Götz Thieme

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The BBC Symphony Orchestra | Verklärte Nacht

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Verklärte Nacht. Schönberg, Fried, Lehár, Korngold; Christine Rice, Stuart Skelton, BBC Symphony Orchestra, Edward Gardner (2020); Chandos

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