Tamara Stefanovich | Influences

Tamara Stefanovich, in Serbien geboren, aber auf ihrem künstlerischen Weg weit in der Welt herumgekommen, weiß aus eigener Erfahrung, wie anregend und bereichernd die Begegnungen mit fremder Kultur sein können. Ihre neue CD, „Einflüsse“, will dies an vier charakteristischen Raritäten der Klaviermusik demonstrieren.


Sie zeigt, wie Bach sich in seinen frühen Weimarer Jahren erfolgreich die damals brandneue „italienische Manier“ der Corelli, Vivaldi und Co. aneignete, wie der komponierende New Yorker Versicherungsmakler Ives in den Anfangsjahren des 20. Jahrhunderts den urigen Wildwuchs seiner ersten Sonate durch Einschüsse von Rag- und Kneipenmusik aufmischte, wie Bartók 1920 avancierteste Moderne mit schlichten Volksmelodien zusammenspannte und Messiaen sich knapp dreißig Jahre später durch hinduistische Rhythmen animieren ließ.
Ein anspruchsvolles Programm für Kenner also. Und ebenso anspruchsvoll wie ungewöhnlich ist auch, dass Stefanovich ihre Hörer zuerst mit dem ungewohntesten, schwierigsten der vier Werke konfrontiert – die ausgedehnte erste Klaviersonate von Ives ist immer noch harter Hörstoff! – und den eingängigen alten Bach an den Schluss ihres Recitals stellt: eine Zusammenstellung und Anordnung, die aber hoffentlich niemanden davon abhält, sich mit dieser Einspielung zu befassen. Denn das auch eine hochrangige Pianistin herausfordernde Pensum wird von Stefanovich mit einer spielerischen Präzision und einer gestalterischen Geschlossenheit absolviert, die dem Spiel ihres ehemaligen Lehrers und langjährigen Duo-Partners Pierre-Laurent Aimard ähnelt und ihm ebenbürtig ist. Eine Ausnahme-Veröffentlichung, überzeugend.

Ingo Harden

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Tamara Stefanovich | Influences

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Influences. Ives: Klaviersonate Nr. 1; Bartók: Improvisationen über ungarische Volkslieder op. 20; Messiaen: Cantéyodjayâ; Bach: Aria variata alla maniera italiana; T. Stefanovich (2018); Pentatone