Le Concert spirituel | Berlioz: Messe solennelle

Sanft säuselt das Kyrie vor sich hin, doch plötzlich fährt der Geist in die Wiederholung hinein und treibt es zu wahnwitziger Ekstase. Und im Gloria beginnen die Sätze „Laudamus te. Benedicimus te. Glorificamus te. Adoramus te“ gar zu tanzen und sich mit Jauchzern zu schmücken! Hector Berlioz schrieb seine Messe solennelle 1824 mit zwanzig Jahren, nachdem er nur Privatunterricht gehabt hatte, doch sie zeigt schon das ganze Genie des fertigen Komponisten. Wir finden hier bereits die Tiefen der Symphonie fantastique und die Volks­szenen der „Trojaner“, den Überschwang des Requiems und die Raffinesse des „Benvenuto Cellini“.


Hervé Niquet ist bekennender Berlio­zianer, seit er die Aufnahme von John Eliot Gardiner hörte, die das verschollene Werk 1994 erstmals zugänglich machte. Nun hat er es mit seinen eigenen Chor- und Instrumental-Ensembles (einschließlich Serpent, Buccine und Ophikleide) in der Schlosskapelle von Versailles eingespielt. Die historischen Instrumente entfalten dort ihre ganze Kraft und zeigen, vor allem auch im triumphalen Königslob des Abschlusses (wo Beethoven seine Friedensbitte anbrachte), Berlioz᾽ so früh entwickelte Raumvorstellung. In sanften Wellen intonieren Sopran Adriana Gonzales und Bass Andreas Wolf mit dem Chor das Incarnatus, während das Crucifixus erst nach einer gewissen Schockstarre lostobt. Mit dem Resurrexit rast dann der gesamte Chor los, um die frohe Botschaft zu verbreiten.
Spirituell entflammt, realisiert Hervé Niquet die unglaubliche, tobende Originalität dieses Werks. Julian Behrs lyrischer Tenor entfaltet sich sanft schmelzend  im Agnus Dei. Gegenüber Gardiners im Vergleich manchmal etwas gediegener Erstaufnahme legt Niquet einiges an Irrsinn zu.

Bernd Feuchtner

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Le Concert spirituel | Berlioz: Messe solennelle

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Berlioz: Messe solennelle; Adriana Gonzalez, Julien Behr, Andreas Wolf, Le Concert spirituel, Hervé Niquet (2019); Alpha

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