Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunk | Wagner: Die Walküre

Diese Musik greift nach Gewalt. Das wusste auch Francis Ford Coppola, als er in „Apocalypse Now“ zum Walkürenritt eine Hubschrauberformation auf die tödliche Reise schickte. Und viele Dirigenten haben Richard Wagners Versuch, aggressive Energie in Musik zu setzen, im Sinne einer Machtpsychose missbraucht. Nicht so Simon Rattle.


Er demobilisiert das Klangbild solch vermeintlich faschistoider Momente, scheint Distanz zu suchen – und auch sonst liegt ihm das Finetuning eher als die pompöse Geste (wiewohl er Letztere gelegentlich pointiert und mit Ironie vorbringt). Bei solcher Feinarbeit kann er sich durchaus auf Wagner berufen, der selbst unter den instrumentalen Vor­aussetzungen seiner Zeit und trotz des „Bayreuther Deckels“ sein „Ring“-Orchester zu laut fand.
So setzt Sir Simon seine Sänger akustisch in die vorderste Reihe, was freilich im Falle der Brünnhilde von Iréne Theo­rin nicht allzu günstig scheint, denn leider entbirgt die Stimme der Schwedin einen deutlichen Wobble als Resultat vokaler Abnützung. Enttäuschend auch der Hunding des altgedienten Wagner-Recken Eric Halfvarson. Das Paar Sieglinde/Siegmund kann indes mit den bewährten Stimmen von Eva Maria Westbroek und Stuart Skelton überzeugen, und die exzellente Elisabeth Kulman sorgt als Fricka in der Szene mit Wotan für subtile psychologische Nadelstiche. Wobei James Rutherford, kurzfristig für den erkrankten Michael
Volle eingesprungen, ein durchaus markantes Porträt des Göttervaters auf die Hörbühne bringt. Ziemlich unausgeglichen ist das Walkürengeschwader. Sei᾿s drum – die Palme tragen ohnehin Dirigent und Orchester davon.

Gerhard Persché

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Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunk | Wagner: Die Walküre

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Wagner: Die Walküre; James Rutherford, Iréne Theorin, Elisabeth Kulman, Eva Maria Westbroek, Stuart Skelton, Eric Halfvarson u. a., Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, Simon Rattle (2019); BR Klassik (4 CDs)