Stéphane Galland | Stéphane Galland & (the mystery of) Kem

Ein Pattern aus angerissenen Klavier- und Kontrabasssaiten, dann prügelt einer mächtig auf die Felle, doch man merkt gleich: Hier walten nicht sinnlos rohe Kräfte, es steckt mehr dahinter. Seit fast 30 Jahren bewegt sich der belgische Drummer Stéphane Galland in diesem Terrain. Nach einer Afrikareise gründete er mit Gleichgesinnten das World-­Jazztrio Aka Moon. Er arbeitete mit afrikanischen und indischen Künstlern, tourte mit Joe Zawinuls Syndicate, dem Trompeter Ibrahim Maalouf und allerhand Jazzgrößen. Die Begegnung mit fremden Musikkulturen prägt auch seine eigenen Projekte.

Das „Kem“ im Titel des Albums meint das prähistorische Ägypten, die schwarze Erde Afrikas als metaphorischen Ort, von wo alles ausgehe und Gestalt annehme, in einer zyklischen Entwicklung voller Gegensätze, die sich ergänzen wie „Yin“ und „Yang“. Genau dies gelte für seine Musik. „Die Zeit, also auch die Rhythmik,“ sagt er, „ist nicht linear. Sie changiert zwischen komplex und einfach, schnell und langsam. In meinem Projekt vermischt sich dies.“ Das klingt weit hergeholt, ist als Musik aber ungeheuer spannend.
Lange hat Galland mit ungeraden Met-
ren experimentiert, jetzt kommt er mit 5er-, 7er-, 11er-Zählzeiten, die wie in indischer Musik in Untergruppen geteilt sind. Es gibt Paradoxien, wie komplexe Patterns, die einfach klingen, oder schnelle Patterns, die langsam klingen. Mit Maalouf und einem südindischen Bambusflötenspieler hat das ansonsten konventionell besetzte Quartett zwei Gäste im Boot, die in ungeraden Metren zu Hause sind, und während der Hörer noch nach der „1“ sucht, bewegt sich die perfekt eingespielte Band auf genau erkundetem Terrain. Für den Mitteleuropäer bleibt die Musik voller Geheimnisse.

Berthold Klostermann

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Stéphane Galland & (the mystery of) Kem

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Klang:
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Stéphane Galland: Stéphane Galland & (the Mystery of) Kem; S. Galland (dr), S. Debaisieux (ts), B. De Looze (p), F. Stocchi (b), R. Kulur (Carnatic fl); Gast: I. Maalouf (tp); Outhere / Note 1

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