Spirit Of Musicke | Women4Baroque II

„Unvergleichlich“ seien die Werke von Isabella Leonarda (1620-1704). So stand es 1703 im „Dictionnaire de musique“. Dass die über 200 Kompositionen der Nonne aus dem italienischen Novara sogar in Frankreich bekannt waren, spricht nur für ihre Qualität.

Die beiden Sonaten für ein Melodieinstrument und Basso continuo atmen die Frische des gestischen, an der Sprache orientierten Musizierens. Rhythmischer Puls signalisiert musikalischen Wettstreit, den das Ensemble The Spirit of Musicke mit Blockflötistin Maria Loos lustvoll und mit angespitzter Artikulation umsetzt.

Dazwischen geht man mit weiteren exzellenten Komponistinnen auf die Reise nach England, Frankreich und Italien, vom Anfang des 18. Jahrhunderts bis in die zweite Hälfte. „Mrs. Philarmonica“, eine anonym gebliebene Dame, veröffentlichte 1715 zwölf Triosonaten in London. Sechs davon hat The Spirit of Musicke eingespielt, facettenreich, voller Energie und Farbigkeit. Trotzdem ist verwirrend, auch wenn es für Abwechselung sorgt, dass innerhalb einer Sonate die Blockflöten gewechselt werden, von der Alt- zur Piccoloflöte beispielsweise. Leider wird nicht angegeben, welche Flöten in welchen Sätzen gespielt werden.

Dass die Französin Elisabeth Jacquet de la Guerre (1665-1729) mit ihren hervorragenden Werken, hier einer Violinsonate, heute noch immer so wenig bekannt ist, ist einfach ungerecht. Dasselbe gilt für Anna Bon di Venezia, deren Spuren sich ab 1767 verlieren. Eine Cembalosonate der knapp 30-Jährigen tendiert ins Frühklassisch-Galante, mit Esprit gespielt von Veronika Braß. Alle Werke des Albums halten qualitativ spielend mit denen ihrer männlichen Zeitgenossen mit.

Elisabeth Richter

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Spirit Of Musicke | Women4Baroque II
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Musik:
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Klang:
4,00

Women4Baroque II. Solo- und Triosonaten von Isabella Leonarda, Mrs. Philarmonica, Elisabeth Jacquet de la Guerre, Anna Bon di Venezia; The Spirit of Musicke (2018); Spimus-Records

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