Signum Quartett | Schubert: Aus der Ferne

Hätte diese CD nur die beiden Hauptwerke enthalten, würde man sich schon glücklich schätzen, derart gelungene Interpretationen sein Eigen zu nennen. Das Signum Quartett musiziert Schuberts Streichquartette mit ungewöhnlich feiner, beinahe zerbrechlicher Tongebung und benutzt dabei, der historisch informierten Aufführungspraxis verpflichtet, nur wenig Vibrato, wodurch größte Transparenz des Klangs erreicht wird.

Für diese Musiker – da sie nirgends im einfühlsam geschriebenen Begleitheft namentlich als Mitglieder des Ensembles erwähnt werden, seien sie hier genannt: Florian Donderer, Annette Walther, Xandi van Dijk und Thomas Schmitz – ist Schubert kein bloßer Schreiber schöner Melodien, bei ihm ist eine heimliche Träne nie weit weg.

Die zahlreichen Passagen, in denen die Geigen in Oktaven geführt werden, sind perfekt intoniert und ausgewogen, sodass man ein einziges Instrument zu vernehmen meint. Die Brechung der mehrgriffigen Akkorde sowie deren Gewichtung wurden genau überlegt und dienen der gestalterischen Gliederung der weiträumigen Sätze. Agogische Freiheiten wirken wie selbstverständlich. In den ganz unterschiedlichen Menuetten – ein ländlerartiger Satz im Werk des Siebzehnjährigen, ein geheimnisvolles Scherzo im späteren Stück – wird der tänzerischen Komponente ihr voller Wert gegeben.

Was die CD zu einem selten geglückten Ganzen macht, ist die Einrahmung der beiden Quartette zwischen Transkriptionen von Schubert-Liedern, die in ihrer Stimmung – und teilweise auch thematisch – mit ihnen verwandt sind. Xandi van Dijk, durchweg eine sehr präsente Persönlichkeit als Signum-Bratschist, hat diese Lieder mit glücklicher Hand ausgewählt und arrangiert zu einer 80-minutigen, unablässig spannenden Reise durch Schuberts geheimnisvolle Welt.

Carlos María Solare

Zur Übersicht
Signum QuartettSchubert: Aus der Ferne
Download bei qobuz
Musik:
5,00
Klang:
5,00

Aus der Ferne. Schubert: Streichquartette in B-Dur und a-Moll, Lied aus der Ferne, Hirtenmelodien, Lachen und Weinen, Die Götter Griechenlands, Wanderers Nachtlied, Du bist die Ruh; Signum Quartett (2017); Pentatone (SACD)