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Seong-Jin Cho, London Symphony Orchestra, Gianandrea Noseda | Chopin: Klavierkonzert Nr. 2, Scherzi Nr. 1-4

Fünf Jahre ist es her, seit Seong-Jin Cho eine Aufnahme des ersten Klavierkonzerts von Chopin vorgelegt hat, mit den vier Balladen als zweitem Schwerpunkt. Jetzt liegt der zweite Teil dieses Projekts vor, mit dem zweiten Klavierkonzert und analog den vier Scherzi. Galt Cho damals als noch frisch gekürter Gewinner des Chopin-Wettbewerbs als Newcomer, hat sich der Wahl-Berliner inzwischen als ein Pianist etabliert, dessen Stern nicht nach nur einer Saison oder einer Aufnahme verglüht ist. Es ist sein inzwischen sechstes Album.

Wer in Cho nur den flinken Tastenkönner sehen möchte, wird sich auf die Rahmenteile der vier Scherzi stürzen, doch dass in seinem Spiel mehr wohnt, verraten die unterschiedlich langen, empfindsam-lyrischen Mittel-Abschnitte, die Cho betont liedhaft vorträgt. Außerdem findet er immer wieder teils entlegene Nebenstimmen oder Harmonien, deren sanfte Reibungen er ungekünstelt herausarbeitet. Auch dynamische Kont- raste treten offen und plastisch zutage, aber nicht nur als Gegenüberstellung von laut und leise, sondern im Sinne einer Dramaturgie, zu deren wesentlichen Merkmalen auch der Umgang mit Pausen zählt.

Wie bereits beim ersten dieser Geschwister-Alben, spielt auch diesmal das London Symphony Orchestra unter Gianandrea Noseda – allerdings etwas verhalten und holzschnittartig. Die Themen lassen sich sicherlich sanfter und feiner modellieren, so wie auch Cho es am Klavier vorlebt. Er wechselt geschickt zwischen dramatischem und lyrischem Gestus, und auch hier sind es einzelne Töne oder kurze Linien, die neuartig scheinen und die man so sonst kaum zu hören bekommt. Drei Zugaben, je eine Etüde, eine Nocturne, ein Impromptu, erscheinen etwas willkürlich gewählt.

Christoph Vratz

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Chopin: Klavierkonzert Nr. 2, Scherzi Nr. 1-4; Seong-Jin Cho, London Symphony Orchestra, Gianandrea Noseda (2020); Deutsche Grammophon

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