Schneider | Das Weltgericht

Mit dem Oratorium „Das Weltgericht“ erregte Schneider zu Lebzeiten Begeisterung bei Publikum und Kritikern (auch Robert Schumann lobte es) – wobei zweifellos auch der theatralische Grusel eine Rolle spielte.

Des Ruhmes dunkler Bruder ist das Vergessen. Dies trifft auch auf den Komponisten, Pianisten, Organisten und Anhalt-Dessauischen Hofkapellmeister Friedrich Schneider (1786-1853) zu, der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts als einer der Kreativsten der deutschen Tonschöpferszene galt und danach im Schatten der Musikgeschichte landete.
Mit dem Oratorium „Das Weltgericht“ erregte Schneider zu Lebzeiten Begeisterung bei Publikum und Kritikern (auch Robert Schumann lobte es) – wobei zweifellos auch der theatralische Grusel eine Rolle spielte. Denn das Werk bezieht sich auf die Angst-Szenarien des Jüngsten Gerichts (aus dem Evangelium nach Matthäus und der Offenbarung des Johannes), mit denen die Menschen fast zwei Jahrtausende lang im Zaum gehalten wurden. In Johann August Apel (1771-1816) fand Schneider den geeigneten Librettisten, war Apel doch zugleich der Verfasser der Novelle „Der Freischütz“, auf der Carl Maria von Webers Oper beruht.
Das Geschehen wird linear vorangetrieben; die Reflexion, die etwa in Bachs Oratorien wichtig ist, spielt kaum eine Rolle. Stilistisch baut das 1820 uraufgeführte „Weltgericht“ Brücken zwischen Klassik und Romantik, lässt sogar an Händel, auch an Haydn, aber natürlich vor allem an Schneiders Zeitgenossen Weber denken. Gregor Meyer, Leiter des Leipziger GewandhausChores, hat das gewaltige, mehr als eineinhalbstündige Oratorium mit einer grosso modo homogenen Solistenriege (das Werk bietet vor allem Ensembleszenen), seinem Chor sowie der camerata lipsiensis an der Stätte der Uraufführung wieder ans Licht geholt. Eine Ausgrabung, die Sinn macht.

Gerhard Persché

Zur Übersicht
Schneider | Das Weltgericht

Bei unseren Partnern erhältlich als CD oder Download:

Bestellen bei JPC
Download bei qobuz
Musik:
5,00
Klang:
5,00

Schneider: Das Weltgericht; Martina Rüping, Marie Henriette Reinhold, Patrick Grahl, Daniel Blumenschein, Joachim Holzhey, Viola Blache, GewandhausChor, camerata lipsiensis, Gregor Meyer (2016); cpo (2 CDs)