Ronald Brautigam | Beethoven: Klavierkonzerte Nr. 1-5

Bei den zahlreichen Veröffentlichungen im Vorfeld des Beethoven-Jubiläumsjahres sind Aufnahmen in historischer Aufführungspraxis bisher die Ausnahme geblieben. Die großen Labels setzen auf die bekannten Namen, bei den Solisten ebenso wie bei den Klangkörpern. Die Einspielungen aller fünf Klavierkonzerte durch Ronald Brautigam und die Kölner Akademie unter Michael Alexander Willens bilden da einen willkommenen Kontrapunkt.


Der holzschnittartigere Sound des Orchesters und der schlanke, oft harfenartige Klang der Fortepiano-Nachbauten nach Walter & Sohn von 1805 für die frühen und von Conrad Graf aus dem Jahre 1819 für die beiden letzten Konzerte bekommen diesen Werken sehr gut. Überraschende Klangperspektiven tun sich auf, etwa im Zusammenspiel von Solist und Orchester im Largo des c-Moll-Konzerts, wo der helle, fast schattenlose Klang des Fortepiano dem Satz eine fast improvisationsartige Note verleiht. Gleichzeitig macht das Instrumentarium noch einmal bewusst, aus welchen Traditionen sich diese Musik speist. So ist die Verbindung der frühen Konzerte zu den Werken Mozarts, aber auch zu denen Carl Philipp Emmanuel Bachs in diesen Darstellungen weit offenkundiger als bei Interpretatio-
nen auf modernen Instrumenten. Das zeigt sich etwa im wuselig-verspielten Rondo des frühen C-Dur-Konzerts op. 15, wo die klangliche Nähe zum Cembalo besonders deutlich wird. Diese Aufnahmen atmen eine Frische und Leichtigkeit, wie sie viele Interpretationen auf herkömmlichen Instrumenten nicht erreichen. Ronald Brautigam, der für das Label BIS bereits sämtliche Klavierkonzerte Mozarts auf dem Hammerklavier eingespielt hat, erweist sich auch im Falle Beethovens als leidenschaftlicher Botschafter dieser Musik.

Martin Demmler

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Ronald Brautigam | Beethoven: Klavierkonzerte Nr. 1-5

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Beethoven: Klavierkonzerte Nr. 1-5; Ronald Brautigam, Die Kölner Akademie, Michael Alexander Willens (2017/18); BIS (2 SACDs)