Céline Rudolph | Pearls

Manche Fragen muss man einfach im Raum unbeantwortet stehen lassen. So jene, warum Céline Rudolph die 14 Tracks ihres neuen Albums „Pearls“ erstaunliche sechs Jahre lang unter Verschluss hielt. An der Hoffnung auf wachsenden Ruhm ihres Gitarristen Lionel Loueke wird es kaum gelegen haben, schließlich sind die 1969 in Berlin geborene Halbfranzösin und der vier Jahre jüngere, aus Benin stammende Saitenzauberer seit 2015 regelmäßig gemeinsam unterwegs, was zwei Jahre später zu ihrer Duo-Scheibe „Obsession“ führte.


Egal, denn was die mit geschmeidigem Charme in höheren Alt-Lagen jubilierende Sängerin unter Federführung des stets präsenten und gewitzte Rhythmus-Pattern abliefernden Drummers Jamire Williams 2013 im New Yorker Studio „Brooklyn Recording“ fabrizierte, ist zwar offenkundig gut abgehangen, tönt aber ausgesprochen frisch und munter. Woran Leo Genovese, der neben perlendem Jazz vom Flügel auch jeder Menge elektrischem Alt-Instrumentarium bis hin zur berüchtigten Farfisa-Orgel oft frickelige Retro-Sounds, immer aber spannende Akzentuierungen entlockt, maßgeblichen Anteil hat. Obwohl er sich die Melodie-Arbeit mit Loueke an diversen Gitarren teilen muss, der gar Afro-Grooves zu der wechselnd englisch- und französischsprachig gesungenen Poesie von Céline Rudolph beisteuert.
Dass John Ellis mit seiner Bassklarinette lediglich einen der hart an der Kante zum Pop schrammenden  Songs, nämlich „L’ascenseur pour l’équinoxe“, stimmungsvoll veredelt, ist ebenso bedauerlich wie der Umstand, dass Bass-Ass Burniss Travis zumeist nur im Untergrund agiert – dies allerdings effizient. Auch deshalb funkeln die „Pearls“ dieser fabelhaften Vokalistin in toto délicieux et très charmant.

Sven Thielmann

Zur Übersicht
Céline Rudolph | Pearls

Bei unseren Partnern erhältlich als CD oder Download:

Bestellen bei JPC
Download bei qobuz
Musik:
4,50
Klang:
4,50

Céline Rudolph: Pearls; Céline Rudolph (voc), Lionel Loueke (g, voc), Leo Genovese (p, key), John Ellis (b-cl) u. a.; Obsessions / Membran