Refuge | Sonaten für Violine solo von Bach

Bemerkenswert souverän erfüllt die junge Liv Migdal das heikle Solorepertoire mit Klang und Leben. Noch mutiger ist, mit welcher Unbedingtheit sie dem hinreichend Bekannten – nicht zuletzt durch die Konfrontation mit einem unbekannten Werk – persönlichste Bekenntnise abgewinnt. Unter dem Titel „Refuge“ stellt sie Sonaten von Johann Sebastian Bach, Paul Ben-Haim und Béla Bartók in ein Beziehungsgeflecht existenzieller Erfahrungen.

Bereits die Entscheidung für Violine allein erfordert Mut. Bemerkenswert souverän erfüllt die junge Liv Migdal das heikle Solorepertoire mit Klang und Leben. Noch mutiger ist, mit welcher Unbedingtheit sie dem hinreichend Bekannten – nicht zuletzt durch die Konfrontation mit einem unbekannten Werk – persönlichste Bekenntnise abgewinnt. Unter dem Titel „Refuge“ stellt sie Sonaten von Johann Sebastian Bach, Paul Ben-Haim und Béla Bartók in ein Beziehungsgeflecht existenzieller Erfahrungen: Ben-Haim – ehemals Paul Frankenburger – flüchtete schon 1933 vor den Nazis nach Palästina, wo er eine Art „Stammvater“ eines israelischen Nationalstils wurde; todkrank schrieb Bartók seine Sonate als letztes vollendetes Werk im amerikanischen Exil; Bach fand Trost und Zuflucht in der Musik nach dem Tod seiner Frau Maria Barbara. So ist der als „Fuga“ (Flucht) bezeichnete Satztyp Kernstück der Bach᾽schen C-Dur- sowie der Bartók-Sonate. Migdal spielt sie mit leidenschaftlicher Schärfe, die nichts beschönigt, und zugleich mit die Strukturen klärender, dynamisch reicher Gliederung.
Extreme Ausdrucksspannung verleiht Migdal auch Ben-Haims Sonate. Obwohl sie Bartóks Werk – beide wurden von Yehudi Menuhin in Auftrag gegeben – spürbar nachgebildet ist, behauptet sie doch ihren persönlichen Ton. „Lento e sotto voce“ strömt die Melodik als einsamer, traumverlorener Gesang, aus dem neue Kraft erwächst; Herzenstöne auch in den anderen langsamen Sätzen. Eine Selbstfindungsreise, auf der die Geigerin, die auf bisherigen Aufnahmen mit ihrem 2015 verstorbenen Vater und Klavierpartner Marian Migdal als interpretatorische Einheit erschien, ihr ganz eigenes künstlerisches Potenzial entfaltet. „Zuflucht Musik“, das gilt auch für sie selbst.

Isabel Herzfeld

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Refuge | Sonaten für Violine solo von Bach

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Refuge. Sonaten für Violine solo von Bach (C-Dur BWV 1005), Ben-Haim und Bartók; Liv Migdal (2018); Genuin