Rasgueo | Echo

Flamenco-Jazz von vier Musikern aus drei Ländern, die in Berlin zueinanderfanden – und nicht ein Spanier, geschweige denn Andalusier ist dabei. In der Sprache des Flamenco bezeichnet „Rasgueo“ die Technik, beim Akkordspiel die Gitarrensaiten mit den Fingernägeln anzuschlagen. Der Grieche Nikos Tsiachris, Gründer und Leiter des Quartetts, studierte klassische Gitarre in Thessaloniki und Flamencogitarre in Granada, bevor er sich in der Bundeshauptstadt niederließ.

 

Heute spielt er Flamenco, als hätte er nie etwas anderes getan. Der vielseitig versierte Bassist Martin Lillich machte ihn mit dem Trompeter Martin Auer und dem aus Uruguay stammenden Drummer Diego Piñera bekannt, 2012 formierte man sich zum Quartett.
Die Besetzung der Band mit einem Trompeter lässt unweigerlich an Miles Davis denken, an „Sketches Of Spain“ und „Flamenco Sketches“, zumal Martin Auer mit eigenem Quintett bereits ein hübsches Remake von „Kind Of Blue“ vorlegte („My Kind of …“, Laika, 2015). Er versucht aber nie, wie Miles zu klingen. Bei Rasgueo nähert sich seine Trompete dem „cante jondo“ an, dem rauen, kehligen Gesang des Flamenco. In Tsiachris’ Stücken und einem Arrangement von Isaak Albeniz’ „Asturias“ doppelt sie oftmals das Thema in trautem Unisono mit der Gitarre.
Dabei geht es zunächst flamencofrei los: Im Opener „Guajiras de Graciela“ etwa wird der Flamencoteil von einem kontrastierenden Part eingerahmt, in dem Auer über arpeggierte Gitarrenakkorde ein geradezu jazziges Thema spielt. Tsiachris Kompositionen knüpfen sich an kleine Geschichten, die er im Booklet enthüllt; sie handeln von Personen („Uncle Takis“), Orten („Lesbos“), Seinsfragen („Ilusiones“). Von Andalusien eher nicht.

Berthold Klostermann

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Rasgueo | Echo

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Rasgueo: Echo; Nikos Tsiachris (flamenco g), Martin Auer (tp, flh), Martin Lillich (b), Diego Piñera (dr); Galileo