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Ralph Mothwurf Orchestra | Zelt

Knapp 45 Jahre nach Gründung des Vienna Art Orchestra seligen Gedenkens gibt es in Wien wieder einen großformatigen Klangkörper zu bestaunen, der alle Aussichten hat, international für Furore zu sorgen. Denn was der Komponist Ralph Mothwurf (*1988) mit seinem recht unkonventionell besetzten 21-köpfigen Orchestra auf dem Debütalbum „Zelt“ zum Klingen bringt, ist gleichermaßen kraftstrotzend wie subtil und dabei erfrischend originell in ausgereifter Tonalität und faszinierender Agogik.

Man kann sich leicht in den acht cinemascopisch kolorierten Klanggemälden verlieren, in denen sich bei jedem Durchlauf neue, reizvolle Details und Szenerien entdecken lassen. Wobei man beschämt feststellt, mit Ausnahme des Gitarristen Peter Rom und des Trompeters Martin Eberle (die Partner im famosen Trio des Vokalartisten Andreas Schaerer) kaum jemanden aus diesem perfekt interagierenden Orchester zu kennen, was bedauerlich ist, weil ständig grandiose Soli den überwältigenden Flow anreichern.

Die 15 Bläser plus zwei Mallets und Gitarre werden getragen von einer grundsoliden Rhythmusgruppe, aus der Michael Tiefenbacher beim zarten „Sinken“ mit filigranem Piano-Intro herausragt. Gemeinsam schaffen sie raffiniert geschichtete Strukturen, deren feinsinnig-dialogfreudige Kompaktheit voller duftiger Impressionen, etwa bei „Pferd“, von lodernden Soli (Rom und Eberle) aufgebrochen und überglänzt wird. Was ungemein leichtgängig tönt, ist instrumental tricky inszeniert als brillante Synthese aus delikater Kammermusik und modernen Big-Band-Sounds in spannungsreichen Kontrasten, die organisch durch Raum und Zeit oszilliert. Ein exorbitantes Album, das Ralph Moth­wurf direkt in die Komponisten-Spitzenklasse katapultiert.

Sven Thielmann

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Ralph Mothwurf Orchestra | Zelt
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Musik:
5,00
Klang:
5,00

Ralph Mothwurf Orchestra: Zelt; Ralph Mothwurf (comp, ld), M. Eberle (tp), P. Rom (g), M. Tiefenbacher (kb) u. v. a; Edition Ö1/ORF

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