Ragnhild Hemsing | Røta

Ein Album, das sich nicht nur im Titel auf musikalische „Wurzeln“ beruft, sondern diesen auch wirklich nachgeht. Ragnhild Hemsing hat dafür ein Programm zusammengestellt, das zwar nur aus einzelnen Sätzen besteht, aber als Konzept auf mehreren Ebenen trägt und diese auch fortlaufend variiert.

Im Zentrum steht die abwechselnde Verwendung der in Norwegen beheimateten und wie ein klangliches Siegel wirkenden Hardangerfiedel und der gewöhnlichen Violine – und dies nicht starr auf die traditionellen Bauerntänze bezogen, sondern auch auf komponiertes Repertoire der vier großen Nationalromantiker Ole Bull, Edvard Grieg, Johan Svendsen und Johan Halvorsen.

So erklingt die berühmte, von Halvorsen nach Händel komponierte Passacaglia in der Kombination von Hardangerfiedel und Violoncello nicht als Konzertstück, sondern beglückend frei und stellt eine Brücke zur Volksmusik her. Bei zwei Stücken von Grieg (aus op. 54 und op. 12) scheinen auf diese Weise wie in einem Röntgenbild noch mehr die vermeintlichen Originale durch. Und das „Lied von Veslemøy“ (Halvorsen) gewinnt in seiner instrumental „authentischeren“ Fassung eine greifbare Melancholie, die aktuell auch in spürbares Fernweh umschlagen kann.

Ihnen stehen Piècen mit Klavierbegleitung zur Seite, in denen die traditio­nellen Idiome aufgegriffen, adaptiert und überhöht wurden. Dass Ragnhild Hemsing beiden Traditionen entstammt und auf beiden Instrumenten zu Hause ist, verleiht diesem hinreißenden Album eine unverkrampfte Authentizität, die das einmalig Besondere dieser musikalischen Parallelwelten aufzeigt und zum hörenden Nachdenken anregt. Der Klang ist angenehm kammermusikalisch und warm.

Michael Kube

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Ragnhild Hemsing | Røta

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Røta. Werke von Grieg, Svendsen, Halvorsen u. a.; Ragnhild Hemsing, Mario Häring, Benedict Kloeckner (2020); Berlin Classics

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