Quatuor Ébène | Beethoven around the World. Vol. 1

Die Dichte an erstklassigen Aufnahmen dürfte bei nur wenigen Werkzyklen so hoch sein wie bei den Streichquartetten von Beethoven. Viele der großen Ensembles von Busch über Alban Berg bis Belcea haben die Werke eingespielt und Maßstäbe gesetzt. Und doch bleibt immer noch Raum, neue Wege zu finden und eigene Akzente zu setzen, wie das Quatuor Ébène mit seiner jüngsten Produktion belegt.


Unter dem Motto „Beethoven around the World“ veröffentlicht das französische Ensemble Konzertaufnahmen aus sieben verschiedenen Orten seiner Welttournee – und widmet sich zum Auftakt im Konzerthaus Wien den beiden ersten Rasumowsky-Quartetten op. 59, mit denen der Komponist in neue Dimensionen vorstößt. Das ist zum ersten Mal im Kopfsatz des F-Dur-Quartetts zu spüren, wenn die Streicher in einer Hoquetus-artigen Passage den Zeitfluss aufzulösen scheinen, und das manifestiert sich auch in den Tutti-Ballungen im anschließenden Allegretto scherzando, deren beinahe orchestraler Ton die Grenzen des Kammermusikalischen sprengt.
Doch die vielleicht außergewöhnlichsten Momente erlebt der Hörer im Adagio molto e mesto. Dort spielen die Ébènes wie mit gedeckter Stimme und dringen in emotionale Schichten vor, die es in der Kernzeit der Wiener Klassik so noch nicht gab. Da offenbart die Interpretation eine bisher unerhörte emotionale Tiefe. Diese Tiefe begegnet einem auch im langsamen Satz des zweiten Rasumowsky-Quartetts noch einmal. Wie aus der choralhaften Stimmung des Anfangs eine klagende Figur der ersten Geige hervorwächst, deren barock anmutende Gesten Pierre Colombet mit warmem Klang und kleinen Freiheiten im Tempo ausfüllt, gehört für meine Ohren zu den anrührendsten Kammermusikhöhepunkten des Jahres 2019.

Marcus Stäbler

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Quatuor Ébène | Beethoven around the World. Vol. 1

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Beethoven around the World. Vol. 1. Beethoven: Streichquartette op. 59, 1 u. 2; Quatuor Ébène (2019); Erato