Quatuor Arod | Death and the Maiden - Schubert: Streichquartett d-Moll D 810

Vielleicht ist es ein Vorzug des fortschreitenden Lebens, geruhsamer auf einzelne Werke zu schauen, die bei näherer Betrachtung weit mehr Schichten aufzeigen als ihre meist nur scheinbare Unkonventionalität – ein „Anderssein“, das im ersten Moment nach einer ebenso mitreißenden wie virtuosen Umsetzung verlangt. Zu diesen Kompositionen zählen in der Gattung des Streichquartetts die Werke von Franz Schubert – und zwar nicht nur die großen letzten, sondern auch die vielen, noch immer unterschätzten frühen.

Hier nur auf deren Expressivität oder gar sinfonischen Gestus zu setzen, wird ihnen allerdings nicht gerecht. Das „Große“ des Tonsatzes allein orchestral zu deuten, reicht nicht. Vielmehr gilt es, diese für Schubert so bezeichnende Ambivalenz aufzufangen, sogar aufzulösen. Dafür greift mir die spieltechnisch unzweifelhaft brillante Interpretation des jungen Quatuor Arod zu kurz: Hinter der Fassade des satten Sounds steht eben nicht die Zerbrechlichkeit, wie sie einst das Alban Berg Quartett zelebriert hat. Hier wird im Gegenteil die jeweilige Faktur des Satzes „buchstäblich“ genommen, noch dazu mit einer Tempogestaltung, die leicht außerhalb der Richtgeschwindigkeit steht.

Damit werden aber die Interpretationen des Ensembles unnötig angreifbar. Dies beginnt beim Finale von D 46, das fast burlesk erscheint, und reicht über den sportlich genommenen Quartettsatz D 703 bis hin zum Kopfsatz des d-Moll-Quartetts D 810 („Der Tod und das Mädchen“), an dessen Generalpausen sich alle Formationen messen lassen müssen. Das Quatuor Arod spielt über die Stille eher hinweg, statt in sie hineinzuhorchen. Es ist wie bei einer guten Traubenernte: Erst die Zeit macht einen edlen Wein daraus.

Michael Kube

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Quatuor Arod | Death and the Maiden

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Schubert: Streichquartett d-Moll D 810, Quartettsatz D 703, Streichquartett C-Dur D 46; Quatuor Arod (2020); Erato

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