Phion, Kevin Griffiths – Romberg: Sinfonien Nr. 1 und 3

Es muss nicht immer Kaviar sein. Die Musik des Beethoven-Zeitgenossen Andreas Romberg ist gehaltvoll, aber nicht unnötig kompliziert. Sie atmet eine angenehme Frische und hat etwas, was bei der Beurteilung von Musik manchmal zu kurz kommt, nämlich guten Geschmack. Zu seinen Lebzeiten wurden Rombergs Sinfonien auf eine Stufe mit Haydns, Mozarts und Beethovens gestellt. Allerdings flogen sie im Zuge der Kanonisierungsbestrebungen des 19. Jahrhunderts ziemlich bald aus dem Repertoire.

Erst in jüngster Zeit wird nicht nur die Wissenschaft, sondern auch die Praxis auf die Qualitäten dieser Musik wieder aufmerksam, nicht zuletzt dank der unermüdlichen Arbeit einer Forschungsgruppe der Universität Vechta und nun auch des Labels cpo, das sich unter anderem um das Erbe der niedersächsischen Musikwelt kümmert.

Wenn bei solchen Bemühungen so etwas herauskommt wie im vorliegenden Fall, kann man nur froh und dankbar sein. In Phion, dem Orchester von Gelderland und Overijssel, findet Rombergs Musik nahezu optimale Sachwalter. Gespielt wird zwar auf modernen Instrumenten, aber, wie man es von einem niederländischen Orchester nicht anders erwartet, sehr deutlich unter dem Einfluss der historisch reflektierten Aufführungspraxis. Das Klangbild ist schlank und transparent, die Phrasierung sehr klar und nuanciert, die Artikulation sprechend, aber verbindlich. Vielleicht wäre es noch schöner gewesen, Natur- statt Ventiltrompeten einzusetzen, wie es ja viele andere moderne Sinfonieorchester in vergleichbarem Repertoire schon machen. Ebenso könnte man an der Abstufung von aufeinanderfolgenden Vierteln noch feilen. Insgesamt gelingt Kevin Griffiths aber eine völlig überzeugende und sehr ansprechende Interpretation.

Matthias Hengelbrock

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Phion, Kevin Griffiths – Romberg: Sinfonien Nr. 1 und 3

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Musik:
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Romberg: Sinfonien Nr. 1 und 3, Ouvertüre zu „Die Großmut des Scipio“; Phion, Kevin Griffiths (2018); cpo

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