Pavol Breslik | Tagebuch eines Verschollenen

Pavol Breslik ist einer der großen Tenorstars unserer Zeit, eine erstklassige Besetzung im italienischen und deutschen lyrischen Fach. Mühelos fließt seine wunderbar viril timbrierte Stimme, und überzeugend sind seine durchdachten Gestaltungen. Neben seiner Weltkarriere als Opernsänger pflegt Breslik sehr bewusst und klug auch den Liedgesang.


Mit Leos Janáčeks Liederzyklus „Tagebuch eines Verschollenen“ ist ihm nun eine Referenzaufnahme gelungen, zumal Einspielungen dieses Werks erstaunlich dünn gesät sind auf dem Markt und manches (Nicolai Gedda mit Josef Palenicek) aktuell nicht leicht zu bekommen ist. Wesentlich zur Qualität dieses „Tagebuchs“ trägt auch der Pianist Robert Pechanec bei. Er findet den richtigen Ton aus trockener Rauheit bei gleichzeitiger gleißender Sehnsucht, der den unverwechselbar zum Zerreißen gespannten Nerv der Musik Janáčeks genau trifft. Breslik ist nicht nur über jeden technischen Zweifel erhaben, er gestaltet die Lieder im perfekten Gleichgewicht aus Sprachduktus und Kantabilität. Alles klingt natürlich und unmittelbar einleuchtend. Die vielen expressiven Ausbrüche sind eingebettet in atmosphärisch dicht geführte Bögen. Die Zigeunerin von Ester Pavlu wirkt dagegen eher überlegen denn verführerisch.
Dem „Tagebuch“ folgen „Sechs Volkslieder, die Eva Gabel sang“, entstanden auf der Basis der Gesänge der gleichnamigen Volkssängerin. Sie sind bei allem ungarisch inspirierten Schwung typisch komplexer Janáček. Ebenso wie die acht „Lieder aus Detva“ (Rebellenlieder) sind sie im Vergleich zum „Tagebuch“-Zyklus gleichwohl mehr klassische Lieder als dramatische Szenen. Breslik und Pechanec verleihen ihnen den angemessen musikantischen Duktus, ohne in den lyrischen Passagen die Tiefsinnigkeit vermissen zu lassen.

Johannes Schmitz

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Pavol Breslik | Tagebuch eines Verschollenen

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Janácek: Tagebuch eines Verschollenen, Volkslieder, Rebellenlieder; Pavol Breslik, Robert Pechanec (2019); Orfeo