Paul Bley | When Will The Blues Leave

Das Musikmachen war für Paul Bley stets ein Abenteuer, dem er sich jedes Mal neu und lustvoll aussetzte. Dabei – so hat er es selbst einmal ausgedrückt – stelle er permanent Fragen an sich und seine Mitspieler.


Fragen, die stets nicht nur zu Antworten, sondern zu neuen Fragen führten. Nur so besitze Musik Kontinuität. Tatsächlich klang es bei Bley immer, als erfinde er Töne und Akkorde just in dem Augenblick, selbst wenn es sich um Stücke handelte, die er über die Jahrzehnte wieder und wieder spielte. Das ist das Exemplarische an der fantastischen Live-Aufnahme „When Will The Blues Leave“ aus dem Jahr 1999.
Damals hatte Bley mit seinem Trio gerade das hervorragende Album „Not Two, Not One“ eingespielt und befand sich auf Tour dies- und jenseits des Atlantik. Vital und prächtig aufgelegt, zeigt sich die Formation mit Gary Peacock am Bass und Paul Motian am Schlagzeug in der Aula Magna im schweizerischen Lugano. Wie ein Lehrstück freier und freiester Improvisation wirkt die Aufnahme. Alle Hierarchien sind abgeschafft. Immer wieder brechen die Mitspieler als Solisten auf, machen ihre Instrumente zu Sprachrohren ihrer selbst. Auf „Told You So“ hören wir Bley allein. Er erkundet Themen, um meandernd ihre Form zu wechseln, ein Medley spühender Ideen. Und als wollte das Trio den Albumtitel Lügen strafen, scheint oft sämiger Blues auf.
Dabei geht es nicht allein um Stücke von Bley; er zitiert „Ornithology“ von Charlie Parker, stimmt mit dem Titelstück eine Komposition von Free-­Pionier Ornette Coleman an, legt den Gershwin-Klassiker „I Loves You, Porgy“ nach und beweist so, dass Musik für ihn nie eine einmal festgelegte Form hatte, es sei denn, es war die denkbar freieste.

Tilman Urbach

Zur Übersicht
Paul Bley

Bei unseren Partnern erhältlich als CD oder Download:

Bestellen bei JPC
Download bei qobuz
Musik:
5,00
Klang:
4,50

Paul Bley, Gary Peacock, Paul Motian: When Will The Blues Leave; Paul Bley (p), Gary Peacock (b), Paul Motian (dr) ECM / Universal