Patagonia Express Trio | Werke von ­Piazzolla, Beytelmann…

Mitten hinein ins Tango-Leben. Schon mit Beginn dieser Einspielung, bei „Las Cuatro Estaciones Porteñas“, formt das ungewöhnliche Trio einen eigenen Klang.

Die Brüder Oscar (Geige) und Claudio Bohórquez (Cello) haben sich mit Pianist Gustavo Beytelmann, der in den 1970er-Jahren mit Piazzolla auf Europa-Tournee ging, zusammengeschlossen und harmonieren, als hätten sie schon viele gemeinsame Jahre hinter sich. Man darf Beytelmann als Spiritus Rector betrachten, der genau weiß, wo das Tempo schleifen darf, wo die Zügel angezogen werden, und so steuern alle drei Musiker sicher auf die Höhepunkte zu.

Das Melancholische klingt sanft, aber nicht tränendrüsig, wie im zweiten der vier Stücke. Im Anschluss folgen drei weitere Werke, darunter der „Grand Tango“, ein Wechsel aus Wehmut und Übermut, aus Lebensfreude und Gedankenschwere. Bohórquez singt stellenweise wie ein Bariton in einer Verdi-Arie, sonor, linienerprobt und in der Höhe milde. Von Gustavo Beytelmann selbst stammen drei Werke, darunter „Ofrenda“, eine Hommage an Piazzolla, komponiert, nachdem er 1992 vom Tod des Meisters erfahren hatte.

Die neue Aufnahme fängt ein zartes Schwelgen ein, ein bisschen verklärt, das darf sein, weil das Spiel der Musiker nie ins Seichte abdriftet. Ihr Vortrag hat nichts Glattes oder Gelecktes, sondern weckt oft Assoziationen von hauchdünnem Glas, hinter dem die Welt in verschiedenen Grautönen schillert. Die beiden anderen Stücke, „Balada“ und „Tango“, sind den Duo-Brüdern gewidmet. Als „Encore“ gibt es Beytelmanns Klaviertrio-Arrangement von Duke Ellingtons „Caravan“, eine Erinnerung an New York, den Ort von Piazzollas Kindheit und Jugend. Eine Würdigung mit viel innerer Überzeugung.

Christoph Vratz

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Patagonia Express Trio. Werke von ­Piazzolla, Beytelmann, Ellington; Gustavo Beytelmann, Oscar Bohórquez, Claudio Bohórquez (2017); Berlin Classics

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