Orchestre Philharmonique Royal de Liège | Respighi: Vetrate di chiesa

Wer Ottorino Respighi allein von den robusten Tönen seiner Römischen Trilogie her kennt, wundert sich vielleicht über die Intimität des „Trittico Botticelliano“, für das er sich durch Gemälde des Renaissance-Malers anregen ließ. In den zarten, hingetupften Farben, den an Vivaldis „Quattro Stagioni“ erinnernden Trillern des ersten Stücks, „La Primavera“, scheint sich wirklich etwas von der Stimmung von Botticellis Bild zu spiegeln. Zu einer melancholischen pastoralen Szene mit exquisiten Bläsersoli hat Respighi dagegen die „Anbetung der Heiligen Drei Könige“ geformt, während er im letzten Stück die „Geburt der Venus“ in einem langsamen Crescendo schildert, das strahlend kulminiert, um sich dann in leisem Raunen zu verlieren.

In den auf Klavierstücken über gregorianische Themen basierenden „Vetrate di Chiesa“ könnten Choralmotive und die Lust an Kirchentonarten eine archaische Stimmung erzeugen, würde Respighi in den vier Sätzen nicht so sehr der großen orchestralen Geste und dem puren Effekt vertrauen, samt Orgel und Tam-tam. Dies besonders im abschließenden, Papst Gregor dem Großen gewidmeten Stück, das eine gelinde Substanzarmut durch Klangrausch zu beheben sucht. Dennoch: Der geheimnisvolle Lento-Teil des zweiten Stücks mit aus der Ferne spielender Trompete über Harfen- und Streicherteppich ist ein echter Hinhörer.

Fesselnd die Interpretation von John Neschling, der nicht nur den zarten Farben und feinen Stimmungen des „Trittico“ nachspürt, sondern auch dem Klangmagier Respighi in den „Vetrate“ mit Verve gerecht wird. In der dem Verismo nahestehenden Kantate „Il tramonto“ steht ihm eine sensibel jede Faser ihrer Partie mit Leben erfüllende Anna Caterina Antonacci zur Seite, die von der Tontechnik allerdings deutlich vor das Orchester gestellt wurde.

Andreas Friesenhagen

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Orchestre Philharmonique Royal de Liège

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In den auf Klavierstücken über gregorianische Themen basierenden „Vetrate di Chiesa“ könnten Choralmotive und die Lust an Kirchentonarten eine archaische Stimmung erzeugen, würde Respighi in den vier Sätzen nicht so sehr der großen orchestralen Geste und