Orchester nimmt Residenz im Schloss

Das Chamber Orchestra of Europe (COE) wird ab 2022 Residenzorchester im Schloss Esterházy in Eisenstadt.

Das Chamber Orchestra of Europe (COE) wird  ab 2022 das neue Residenzorchester im Schloss Esterházy in Eisenstadt. Ausgewählt wurde das Ensemble in einem mehrstufigen Verfahren von einer sechs-köpfigen Jury aus international renommierten Musikern und Kulturmanagern. Die Residenz umfasst zunächst drei Jahre, innerhalb derer das Orchester pro Jahr mindestens vier Konzertprojekte im Haydnsaal des Schlosses Esterházy spielen wird – sowohl im Rahmen des HERBSTGOLD-Festivals wie auch der Konzertreihe classic.Esterhazy. Darüber hinaus wird es weitere Kammermusik- und Ausbildungsprojekte mit den Mitgliedern des Ensembles geben. Zudem soll im Kontext der Residenz die bestehende Kooperation mit dem Haydn Konservatorium ausgeweitet werden.

Julian Rachlin, neuer Künstlerischer Leiter des HERBSTGOLD-Festivals, kommentiert die Wahl: „Die Entscheidung für das Chamber Orchestra of Europe als neues Residenzorchester im Schloss Esterházy zeugt von dem brillanten Geist und der musikalischen Seele, die unverändert seit Jahrhunderten an diesem musikhistorisch signifikanten Ort wirken. Die Aufnahmen und Konzerte des Chamber Orchestra of Europe haben mich Zeit meines Lebens geprägt, und viele Aufnahmen sind Referenzaufnahmen für alle klassischen Musiker weltweit. Es ist deshalb auch für mich persönlich eine unglaubliche Ehre, dieses Orchester als Künstlerischer Leiter von HERBSTGOLD mit an Schloss Esterházy binden zu können. Dass die jahrhundertelange Tradition weltbedeutender Residenzorchester auf Schloss Esterházy nun mit dem Chamber Orchestra of Europe fortgesetzt wird, erfüllt uns alle mit großer Freude und Glück!“

Andreas Richter, Künstlerischer Leiter von classic.Esterhazy, erklärt zur Entscheidung: „Qualität und internationale Reputation des Orchesters, aber auch angedachte, aufsehenerregende Haydn-Konzertprogramme mit Künstlern wie Sir Simon Rattle haben die Jury überzeugt. Ich freue mich sehr, dass wir ein solch hochkarätiges Ensemble für das Schloss Esterházy gewinnen konnten – und natürlich auf die musikalischen Sternstunden, die wir gemeinsam für unser Publikum hier gestalten werden.“

Simon Fletcher, General Manager des Orchesters, ergänzt: „Wir freuen uns sehr über die Entscheidung für das COE als Residenzorchester im Schloss Esterházy. Mitbringen werden wir unsere internationale Reputation für musikalische Exzellenz, für spannende Kooperationen mit den weltweit gefragtesten Dirigenten und Instrumentalisten sowie als Kulturbotschafter für interkulturelles Verständnis. In der Tradition der Hofkapellen des Schlosses Esterházy werden wir die musikalische Qualität und die Werte dieses bedeutenden Erbes weiterführen, um eine gemeinsame künstlerische Vision für die Zukunft zu formen und zu untermauern. Wir freuen uns sehr auf unsere kommenden Konzerte im Schloss Esterházy und auf die Möglichkeit, unser Musizieren mit dem Publikum in Eisenstadt, im Burgenland und darüber hinaus zu teilen.“

Das Residenzorchester im Schloss Esterházy in Eisenstadt steht in der Tradition der historischen Familie Esterházy, die an ihrem Hof über einen langen Zeitraum ein eigenes Orchester beschäftigte. Seit den Zeiten der Kapellmeister Gregor Joseph Werner und Joseph Haydn, später auch Nepomuk Hummel, entstand dabei ein Forum für musikalische Begegnungen, für den lebhaften, kreativen Austausch zwischen Musikern, Künstlern und Publikum, das zur Kreation einer Vielzahl an wegweisenden Werken und musikalischen Innovationen führte. Der Name Esterházy und der Haydnsaal im Eisenstädter Schloss erwarben sich so einen in der internationalen Musikwelt klangvollen, bis heute geradezu einzigartigen Ruf. Aufgabe der heutigen Residenzorchester ist, dieses Erbe fortzuzuschreiben und dem lokalen wie überregionalen Musikleben auf diesem Wege neue Impulse zu verleihen.

Im Rahmen der aktuellen geschlossenen Ausschreibung wurden eine Reihe von internationalen Spitzenorchestern gezielt angesprochen, die unter anderem anhand ihres künstlerischen Profils und Backgrounds sowie ihrer Spielverpflichtungen ausgewählt wurden. Von den eingeladenen Ensembles nahmen alle an dem Prozess teil. Vorgänger des COE als Residenzorchester ist die Haydn Philharmonie, die diese Rolle 2016 für zunächst drei Jahre übernahm. Die 2019 verlängerte, erfolgreiche Zusammenarbeit wird projektweise auch in der Zukunft fortgeführt werden. Für 2021 sind fünf gemeinsame Projekte in Eisenstadt geplant. Im Rahmen der geschlossenen Ausschreibung, wurde zudem eine enge Zusammenarbeit mit dem österreichischen Originalklangorchester und Consort Barucco beschlossen, das in der Zukunft regelmäßig im Schloss Esterházy präsent sein wird. 

Biografie Chamber Orchestra of Europe

Das Chamber Orchestra of Europe (COE) wurde im Jahr 1981 von einer Gruppe junger Musikerinnen und Musiker gegründet, die sich damals im European Community Youth Orchestra (heute: EUYO) kennengelernt hatten. Heute umfasst die Kernbesetzung rund 60 Mitglieder, die von den Musikern selbst ausgewählt werden: sie vereint Solisten und Stimmführer namhafter Klangkörper, renommierte Kammermusiker und Musikprofessoren. Von Beginn an prägte die Kooperation mit bedeutenden Dirigenten und Solisten das Profil. In den ersten Jahren war vor allem Claudio Abbado ein wichtiger Mentor: Er präsentierte mit dem COE auch szenische Werke wie Rossinis „Il viaggio a Reims" und „Il barbiere di Siviglia" oder Mozarts „Figaro" und „Don Giovanni". Mit Aufführungen und vor allem der Einspielung aller Beethoven Sinfonien sowie durch Opernproduktionen bei den Salzburger Festspielen, den Wiener Festwochen und der Styriarte setzte auch Nikolaus Harnoncourt wesentliche Akzente.

Heute arbeitet das Orchester eng mit Sir András Schiff und Yannick Nézet-Séguin zusammen, die zu den Ehrenmitgliedern des Orchesters zählen, sowie mit Sir Simon Rattle, Sir Antonio Pappano, Robin Ticciati und Vladimir Jurowski. Das COE ist regelmäßig in den prominentesten Festspielen und Konzerthäusern Europas zu Gast. Dazu zählen unter anderem die Philharmonie in Berlin, Paris, Köln und Luxemburg, das Concertgebouw in Amsterdam und die Alte Oper in Frankfurt. Diese und weitere führende europäischen Veranstaltungsorte bilden die Basis für die ausgedehnten Tourneeaktivitäten des Orchesters mit gelegentlichen Konzerten in Nahost und den Vereinigten Staaten. Das COE wird zudem ab 2022 in Partnerschaft mit der Kronberg Academy das erste orchestra-in-residence im dortigen Casals Forum.

Mehr als 250 Werke hat das Chamber Orchestra of Europe bislang aufgenommen; seine CDs wurden u. a. mit zwei „Grammys“ und drei „Record of the Year“-Awards von Gramophone ausgezeichnet. Im November 2020 erschien das jüngste Album des COE, eine Schubert Box, mit bislang unveröffentlichten Aufnahmen aus dem Jahr 1988, dirigiert von Nikolaus Harnoncourt, die zugleich Rückblende und Aussicht auf das gegenwärtige 40. Jubiläum des Orchesters im Jahr 2021 sind. 2009 wurde die COE-Academy ins Leben gerufen, die jedes Jahr volle Stipendien an postgraduierte Studenten und junge Musiker mit außergewöhnlich hohem Talent vergibt. Die Akademisten begleiten das Orchester auf einer Tournee und erhalten währenddessen Unterricht bei Solo-Instrumentalisten des COE.

Das COE ist ein frei finanziertes Orchester und erhält wertvolle Unterstützung von einer Reihe privater Spender sowie der Gatsby Charitable Foundation, ohne die es nicht existieren könnte. Die Konzertmeister-Position und weiteren Solistenstellen werden gefördert von Dasha Shenkman, Sir Siegmund Warburg’s Voluntary Settlement, dem Rupert Hughes Will Trust, dem Underwood Trust, den 35th Anniversary Friends und den American Friends.

 

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Chamber Orchestra of Europe. Bild: Julia Wessely
Chamber Orchestra of Europe. Bild: Julia Wessely

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