Nguyên Lê | Streams

Ein fröhlich hüpfendes, rhythmisches Motiv des Vibrafons, aber gleich darauf dieser fette Gitarrensound mit der sanglichen Phrase, hervorgebracht durch vibratoreich gezogene Töne. Das ist unzweifelhaft die Musiksprache von Nguyen Le. Bei ihm bleibt die asiatische musikalische Grundierung immer spürbar. Das ist auch bei Les neuer Einspielung „Streams“ nicht anders.

 

Diesmal hat sich der Gitarrist einmal mehr seinen Stiefsohn, den Vibrafonisten Illya Amar in die Band geholt. Mit diesem Zugang wächst Les Musik wieder mehr in Richtung Jazz, klingt dabei frisch und unternehmungslustig. Hier lotet er den Fusion Jazz neu aus. Zuletzt hatte sich Le doch mehr in Richtung Weltmusik orientiert: „Ich bin eine personifizierte Fusion der Kulturen“, definiert sich Le selbst. Ganz aufgegeben hat Le die Inspirationen durch andere Musikkulturen freilich nicht: Vor allem rhythmisch setzt er auch hier wieder auf allerlei Einflüsse, indische Percussion-
Muster, auch solche aus dem Maghreb. Im Zentrum aber stehen die eingängigen Melodien der Songs, etwa in der schönen Ballade „Subtle Body“.
Eine feine, rhythmisch verschachtelte musikalische Seance ist das, die Le als sensiblen Melodiker und darüber hinaus einmal mehr als hervorragenden Gitarrentechniker ausweist. In all diese Zusammenhänge passt der erdig singende Kontrabass von Chris Jennings. Auch Schlagzeuger John Hadfield ist weit gereist und hat Musikkulturen von Südamerika bis Indien oder der Mongolei inhaliert. Aber neben allen rhythmischen Akzentuierungen kann es auch sphärisch werden, etwa in „Coromandel“, das die Traumlandschaft Neuseelands besingt. Wenn man dieser schlüssigen Aufnahme etwas wünschen würde, wäre es doch hier und da ein wenig mehr an Experiment.

Tilman Urbach

Zur Übersicht
Nguyên Lê | Streams

Bei unseren Partnern erhältlich als CD oder Download:

Bestellen bei JPC
Download bei qobuz
Musik:
4,00
Klang:
4,50

Nguyen Le Quartet: Streams; Nguyen Le (g, electr), Illya Amar (vib), Chris Jennings (b), John Hadfield (dr, perc); ACT / Edel