Momo Kodama | Martinů: Double Concertos

Die Werke Bohuslav Martinůs erfreuen sich – zumindest auf dem Tonträgermarkt – zunehmender Beliebtheit, und die Gründe dafür liegen auf der Hand: Zum einen besitzt die Tonsprache des tschechischen Komponisten eine unverwechselbare Physiognomie, die bereits nach wenigen Takten ihren Schöpfer erkennen lässt.

Und zum anderen ist die Musik von einer durchweg positiven Energie beseelt, wie sie sich in einer solchen Kraft bei Tonsetzern des 20. Jahrhunderts nur selten findet. Das gilt auch für die drei auf der vorliegenden SACD präsentierten Werke, die Martinů während der 40er- und 50er-Jahre im amerikanischen Exil schuf: die beiden Doppelkonzerte für zwei Klaviere bzw. zwei Violinen sowie das „Rhapsody-Concerto“ für Viola.

Es war eine gute Idee, die Doppelkonzerte jeweils von Geschwisterpaaren interpretieren zu lassen: den Pianistinnen Mari und Momo Kodama bzw. den Geigerinnen Sarah und Deborah Nemtanu. Für die Gestaltung des Soloparts im Bratschenkonzert zeichnet Magali Demesse verantwortlich. Den Musikerinnen gelingt es auf souveräne und packende Weise, die technischen Hürden der Solostimmen derart zu transzendieren, dass sie wie improvisiert klingen – wie es sein sollte bei einer Musik, die ihre Inspirationen in nicht geringem Maße aus der Folklore von Martinůs Heimatland speisen. Die Pointiertheit des Zugriffs der Solistinnen und die sensible Begleitung des Orchesters umgehen auch den Fallstrick, den Martinůs Werke gelegentlich auslegen – nämlich den einer gewissen Redseligkeit, die unter weniger berufenen Händen zu Leerlauf degenerieren kann. Den stärksten Eindruck hinterlässt hier das Konzert für zwei Klaviere, und zwar vor allem wegen des faszinierenden Mittelsatzes, einer Kombination von naturnahem Nachtstück und tiefgründiger Meditation. Allein diese zehn Minuten lohnen das Hören dieser Neuerscheinung.

Thomas Schulz

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Momo Kodama | Martinů: Double Concertos

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Martinu: Doppelkonzerte, Rhapsody-Concerto; Mari & Momo Kodama, Sarah & Deborah Nemtanu, Magali Demesse, Orchestre Philharmonique de Marseille, Lawrence Foster (2017); Pentatone (SACD)