Misha Mullov-Abbado | Dream Circus

Als Sohn der Geigenvirtuosin Viktoria Mullova und des Dirigenten Claudio Abbado ist der Kontrabassist/Komponist Misha Mullov-Abbado in Sachen Klassik quasi doppelt vorbelastet. Im Duo mit seiner Mutter bestreitet er bisweilen Kammerkonzerte, in eigener Sache aber ist er vor allem in der jungen Londoner Jazzszene unterwegs.


Er schreibt für Jazz- wie auch für Klassikensembles. Im Jazzbereich erhielt er so renommierte Auszeichnungen wie den Dankworth Prize for Jazz Composition und den Kenny Wheeler Jazz Prize der Royal Academy of Music. Zugleich bekennt er: „Beim Komponieren höre oder spiele ich Bach, Byrd, Brahms, Basie, Strawinsky oder Stevie Wonder.“ Der Klassik-Background ist also stets präsent, auch wenn er sich mitunter nur an Mullov-Abbados Vorliebe für weitgehend durchkomponierte Strukturen festmachen lässt.
Die Band aus ehemaligen Mitstudenten, mit der er jetzt sein drittes Album vorlegt, besteht seit vier Jahren – ein Sextett, das durch geschickten Einsatz dreier Bläser bisweilen durchaus größer klingt. Los geht’s mit einem butterweichen Kontrabass-Intro, das bald von Klavierakkorden und trockener Snare gestützt wird, bis die Bläser sich das Thema teilen. Soloeinlagen kommen nie zu kurz, siehe etwa die Ballade „Stillness“, ein reines Tenorfeature.
Das Hauptinteresse aber gilt dem Ensemblespiel: hier ein kontrapunktischer Choral für die Bläser („Equinox“), da ein Stück Klamauk in stolperndem ¾-Takt, der immer wieder aus der Kurve gerät, nur um erneut Anlauf zunehmen („Little Astronaut“), anderswo eine gemessen schreitender Trauermusik mit furiosen Ausbrüchen in freies Gebläse („The Bear“).

Berthold Klostermann

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Misha Mullov-Abbado | Dream Circus

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Misha Mullov-Abbado: Dream Circus; Misha Mullov-Abbado (b), James Davison (tp, flh), Matthew Herd (as), Sam Rapley (ts), Liam Dunachie (p), Scott Chapman (dr); Edition / Membran