Michele Rabbia | Lost River

Es ist kein Zufall, dass bei diesem Album der Name des Drummers Michele Rabbia an erster Stelle firmiert. Sein Spiel – das filigrane Zischen der Becken, das dunkle Grollen der Toms, dazu Live-Electronics zwischen Geräusch und Ton – strukturiert diese horizontale Musik: die stehenden Klänge von Eivind Aarsets Gitarre, die dunkel geblasene Posaune von Gianluca Petrella.


Aarset und Rabbia kannten sich bereits von mehreren Duokonzerten, Petrella stieß als dritter Mann hinzu. Die Geburt eines Trios, das sich dem Raumklang verschrieben hat. Immer wieder kreist das Album „Lost River“ um das Thema „Wasser“. Das Gleiten, die Klangstrudel, die wellenartig wiederkehrenden Motive, dahinplätschernde Töne – all das ist lautmalerisch nachzuempfinden. Und natürlich wird der Totenfluss „Styx“ als mythischer Klang­strom thematisiert. Musik nicht von dieser Welt, eher eine mystische Traumlandschaft.
Interessant wird es, wenn Rabbia und Petrella abstrakte elektronische Soundfelder präsentieren, die sich jeder Kategorisierung entziehen. Auch Eivind Aarset agiert meist jenseits erwartbarer Gitarrenpfade. All das ist fokussiert auf Sparsamkeit, auf den Rückzug ins Inwendige, vollständig entkernt. Und das, obwohl die Musik opulent, beinahe als Klangwand herüberkommt. Tatsächlich entwickelte sich diese ungeheuer suggestive Musik spontan im Kollektiv. Erstaunlich, wie genau, wie feinsinnig hier interagiert wird. Das Hören als Expedition, das Ohr als Kompass. Mit dem Aufnahmestudio als großem Denk­labor!                       

Tilman Urbach

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Michele Rabbia | Lost River

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Musik:
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Klang:
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Michele Rabbia, Eivand Aarset, Gianluca Petrella: Lost River; Michele Rabbia (dr, electr), Eivind Aarset (g), Gianluca Petrella (tb); ECM / Universal