Michael Korstick | Franck: Piano Works

Als unbestechlichen Wahrheitssucher kennen wir Michael Korstick seit vielen Jahren. Seine unerhört durchdachte, zuweilen fast schmerzhaft deutliche Klavierkunst neigt gelegentlich den Ausdrucksextremen zu. In diesem Programm, das Francks späte Großwerke mit Alfred Cortots kniffligem Solo-Arrangement der Violinsonate verbindet, bewegt er sich auffallend in der erfüllten Mitte.


Natürlich meißelt er die monumentale Themenkombination, mit der die Fuge des „Prélude, Choral et Fugue“ kulminiert, gewaltig und transparent aus. Durch die lyrisch angehauchten Augenblicke des Innehaltens, die auf diese aufgetürmten Takte folgen, rauschen dann die meisten Interpreten etwas achtlos hindurch, und vielleicht wären sie Korstick früher auch entgangen. Jetzt aber lässt er im Tempo einmal ganz kurz nach und gestattet sich ein wenig Diminuendo-Zartheit. Gestaltungskraft für große Architekturen besaß er immer, nun leuchtet er auch jene dämmrigen Passagen aus, die dem logischen Aufbau im Wege zu stehen scheinen.
Interessanter noch ist das seit jeher vernachlässigte „Prélude, Aria et Final“, dem die Monumentalität des Schwesterwerkes abgehen mag, das uns aber mit größerem Reichtum sublimer Schattierungen belohnt. Das zarte Rezitativ am Beginn der Aria scheint bei Korstick geradezu von innen zu leuchten, und wandert das Hauptthema dann in die linke Hand, begleitet seine Rechte mit einer wirklich phänomenalen Klangkontrolle, als seien die Akkorde bloße Schwingungen. Mit solcher Finesse hört man das in keiner anderen Fassung. Das fast kirmeshaft schmissige Thema des Finales legt er mit der fiebrigen Aufgekratztheit hin, die den alten Franck gelegentlich packte. Am Ende aber stirbt alles in dolcissimo-Akkorden hin, die man vollkommener kaum hinhauchen kann.

Matthias Kornemann

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Franck: Prélude, Choral et Fugue, Violinsonate A-Dur (Arr. Cortot), Prélude, Aria et Final; Michael Korstick (2013/17); cpo