Matthias Kirschnereit | Schumann: Klavierkonzert op.54

Auch wenn Schumanns Klavierkonzert hier das „Zugpferd“ ist, erhält die Aufnahme ihren besonderen Rang durch die wenig bekannten Werke. Namentlich das Konzertstück für Klavier und Orchester op. 86 – ursprünglich für vier Hörner –, das vermutlich von einem Schumann-Zeitgenossen bearbeitet wurde, ist eine echte Trouvaille. Der Komponist hielt das Werk für eine seiner besten Arbeiten, und Matthias Kirschnereit überträgt mit beredter poetischer Emphase die grandiose Brillanz der Solohorn-Stimmen auf das Tasteninstrument.


Für den Hamburger Pianisten war es ein lang gehegter Wunsch, neben dem Klavierkonzert die vernachlässigten Stücke einzuspielen, man spürt in seiner Aufführung, dass es ihm ein Anliegen war, die erstklassige Qualität der Werke gleichrangig neben das Klavierkonzert zu stellen und auch hier den spezifischen Schumann-Ton zu entfalten. Mit welcher dezenten Delikatesse er die einleitenden Phrasen der Introduktion von op. 92 singend-nachlauschend ausleuchtet, wie fein er mit dem Orchester das dia­logische Geflecht zwischen Solo und Tutti ausarbeitet und die melancholische Dichte der inneren Spannungszustände im späten Konzert-Allegro op. 134 aufbaut, zeugt von einem tiefen Verständnis für den Komponisten.
So brillant er die einleitenden Takte des Klavierkonzerts auch spielt, das Poetisch-Gestaltende behält stets die Oberhand, alles erwächst aus der Impulsivität eines seelisch-drängenden Ausdrucksverlangens. Pianistisches Potenzgehabe und sterile Orchesterpolitur sucht man hier vergebens.

Frank Siebert

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Matthias Kirschnereit | Schumann: Klavierkonzert op.54

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Robert Schumann Concertant. Konzertstück op. 86, Introduktion und Allegro appassionato op. 92, Konzert-Allegro mit Introduktion op. 134, Klavierkonzert a-Moll op. 54; Matthias Kirschnereit, Konzerthausorchester Berlin, Jan Willem de Vriend (2018); Berlin