Matthias Goerne | Beethoven Lieder

„Schubert überlagert Beethovens Leistungen im Liedbereich bis heute“, sagt Bassbariton Matthias Goerne. Und tatsächlich: So viel Beethoven oder BTHVN einem auch entgegenschlägt in all den Ankündigungen, die Corona-bedingt nicht alle Tat haben werden können, das Lied taucht allenfalls als Randelement im Huldigungsreigen auf. Und das, obwohl der Meister der bis zum Anschlag gehaltvoll gefüllten formalen Entwicklung sich hier mitunter als charmanter und emotional unmittelbarer Melodiker zu erkennen gibt.


Goerne hat neben den zwei kleinen Zyklen der sechs Lieder auf Texte von Christian Fürchtegott Gellert und „An die ferne Geliebte“ eine repräsentative Auswahl getroffen – ohne Schmankerl wie „Der Kuss“ und „Ich liebe dich“, aber mit „Adelaide“, „Das Liedchen von der Ruhe“, „Resignation“, „Maigesang“, „Wonne der Wehmut“  und den beiden Fassungen von „An die Hoffnung“.
Die Gellert-Lieder, die oft steif und statisch wirken, gewinnen schon im Vorspiel eine emotionale Tiefe, die aufhorchen lässt. Hinzu kommt, dass Goerne nicht jeweils nur die erste Strophe der vier nicht durchkomponierten Lieder singt, sondern alle. Dadurch dehnt sich der Zyklus zeitlich, vor allem aber auch in die Tiefe der Auseinandersetzung mit dem Text.
Damit ist der überzeugende Grundton dieser wertvollen Aufnahme gesetzt: Goerne gestaltet Lied für Lied durchdachte Spannungsbögen, singt dynamisch höchst differenziert und behält dabei stets seinen klangreichen Stimmcharakter.
Jan Lisiecki, im solistischen Vortrag mitunter noch etwas unentschieden wirkend, erweist sich hier als idealer Liedbegleiter, der wie Goerne die Vortragsangaben ebenso sorgsam wie innig durchdrungen umsetzt. Eine Aufnahme, die Beethoven eindeutig als Romantiker verortet und ihn als Liedkomponisten eindringlich ins Bewusstsein rückt.

Johannes Schmitz

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Beethoven: Lieder; Matthias Goerne, Jan Lisiecki (2019); Deutsche Grammophon