Mariana Flores | Monteverdi: Lettera amorosa

Weder die Werkzusammenstellung noch die sehr affektive Herangehensweise an einzelne Lamenti, Arien und Szenen aus dem umfangreichen Schaffen Monteverdis scheinen von Zufällen bestimmt zu sein. Der ausführliche Booklet-Text beweist, wie durchdacht das Programm gestaltet ist und wie reflektiert die Affektsprache Monteverdis in den Mittelpunkt der Aufführungen gestellt ist.

Es muss gar nicht erst das berühmte „Lamento d’Arianna“ bemüht werden, bei dessen Aufführung sich ohnehin ein jeder Interpret um einen stark affektiven Zugang bemüht, um zu erkennen, wie einerseits sensibel und andererseits intensiv Mariana Flores die Textgrundlage für ihre Darstellung nutzbar macht. Erstaunlicher nämlich ist die Spannung, die sie etwa in der „Lettera amorosa” zu erzeugen weiß, die oft etwas langatmig dargeboten wird. So tieftraurig wie hier kann es eigentlich nur wirken, wenn kleinsten Stimmungsaufhellungen auch musikalisch Ausdruck verliehen wird. Es ist nicht einmal das intensive Auskosten der Dissonanzen, die mitleiden lässt, sondern die der Sprache sehr angenäherten kleinen Pausen und rhythmischen Verschiebungen sowie die Nuancen, aber auch die kleinen Ausbrüche in der Lautstärke, welche die ungeheure Spannung erzeugen.

Ähnlich intensiv gelingen Mariana Flores die Lamenti; doch auch das kleine Duett mit der Sopranistin Julie Roset, „Ohimè, dov’è il mio ben“, sorgt für Gänsehaut. Unter die Haut geht auch das wenig bekannte „Voglio di vita uscir”, bei dem die Autorschaft Monteverdis freilich mit einem kleinen Fragezeichen zu versehen ist. Es ist fast müßig, darauf hinzuweisen, dass die Cappella Mediterranea alle emotionalen Schattierungen mitträgt und eine formidable Grundierung bietet, auf der Mariana Flores sich wunderbar entfalten kann. Absolut hörenswert.

Reinmar Emans

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Mariana FloresMonteverdi: Lettera amorosa

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Monteverdi: Lettera amorosa, Lamento d’Arianna, Lamento della Ninfa und andere Vokalmusik; M. Flores, Cappella Mediterranea, L. García Alarcón (2016/17) Ricercar