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Mari Kodama | Beethoven: Klavierkonzerte 1-5

Der 250. Geburtstag Beethovens 2020 wirft seine Schatten voraus. Und dabei scheinen die Klavierkonzerte in Berlin besonders hoch im Kurs zu stehen. Erst vor einigen Monaten haben Mitsuko Uchida und die Berliner Philharmoniker unter Simon Rattle eine opulente CD-Box mit sämtlichen Klavierkonzerten vorgelegt, jetzt zieht das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin unter Kent Nagano und mit der Pianistin Mari Kodama nach.


Und die Deutsche Grammophon legt die Klavierkonzerte mit einer Reihe von Live-Aufnahmen aus dem Berliner Konzerthaus vor, die Jan Lisiecki als Solist und Dirigent mit der Academy of St Martin in the Fields eingespielt hat. Die Editionen von Rattle und Nagano sind allerdings nicht ganz taufrisch. Die Philharmoniker-Aufnahmen stammen von 2010, die Nagano-Interpretationen von 2006 und 2013. Lediglich das frühe Konzert des 14-jährigen Beethoven (Nr. 0) sowie die Eroica-Variationen wurden für diese hübsch aufgemachte CD-Box neu eingespielt. Ein bisschen riecht das schon nach altem Wein in neuen Schläuchen, aber ältere Aufnahmen müssen ja nicht schlecht sein, und diese hier sind es auch nicht.
Dass Nagano und seine Ehefrau Mari Kodama ein eingespieltes Team sind, hört man sofort. Etwa beim Dialogisieren im langsamen Satz des G-Dur-Konzerts, bei dem Kodama nicht nur durch ihre feinen dynamischen Abstufungen, sondern auch durch ihren Mut zur Pause überzeugt. Die Klarheit und packende Direktheit ihres Spiels zeigen sich exemplarisch in der langsamen Einleitung zum Kopfsatz des fünften Konzerts. Nagano war lange genug Chef des DSO, um diesen Klangkörper zu Höchstleistungen anzuspornen. Das wirkt nirgends aufgesetzt oder gewollt – auch an den ruppigsten Stellen bleibt dieser Beethoven stets im Fluss. Enttäuschend allenfalls die Aufnahme des frühen Konzerts von 1784. Aber das liegt weniger an den Musikern als an der etwas ungelenken Faktur des Stücks. Es ist eben noch kein Meister vom Himmel gefallen.
Der junge Kanadier Jan Lisiecki ist ohne Zweifel eine Ausnahmeerscheinung im Kreis der Pianisten. Seine Lesart der Klavierkonzerte Beethovens ist überzeugend, sein Spiel geprägt von Leichtigkeit, großer technischer Meisterschaft und klanglicher Finesse. Dynamische Schattierungen, wie sie ihm etwa im Kopfsatz des dritten oder vierten Klavierkonzerts gelingen, wirken außerordentlich organisch und zeugen von einer stupenden Musikalität. Doch vielleicht wäre Lisiecki gut beraten gewesen, sich einen Dirigenten von Rang für seine Aufnahmen zu suchen. Denn der Orchesterpart gelingt nicht in allen Passagen überzeugend. Mitunter hapert es an der Balance, wenn sich etwa in der Exposition des c-Moll-Konzerts die Oboen ein wenig quäkend in den Vordergrund drängen. Da fehlt es manchmal an Spannung, klingt der gute alte Beethoven fast ein wenig zu routiniert und vielleicht auch lieblos. Möglicherweise liegt es auch daran, dass die Academy hier mit nur sieben ersten Geigen und vier Violoncelli in recht kleiner Besetzung musiziert, was bei Live-Aufnahmen immer ein gewisses Risiko birgt. Nichtsdestotrotz sind es sehr hörenswerte Einspielungen, denn Lisiecki gelingen immer wieder geradezu berückende Momente, etwa in seiner fast verspielten Darstellung des frühen C-Dur-Konzerts op. 15. Das atmet eine jugendliche Frische und unverbrauchte Leichtigkeit, wie man sie bei diesem Stück nur selten hört.

Martin Demmler

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Mari Kodama | Beethoven: Klavierkonzerte 1-5

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Beethoven: Klavierkonzerte 0-5, Eroica- Variationen, Tripelkonzert; Mari Kodama, Kolja Blacher, Johannes Moser, Deutsches Symphonie-Orchester Berlin, Kent Nagano (2006-19); Berlin Classics (4 CDs) Beethoven: Klavierkonzerte 1-5; Jan Lisiecki, Academy of S

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