Marc Coppey – Schostakowitsch: Cellokonzerte Nr. 1 und 2

Mit der Interpretationsgeschichte der Musik Schostakowitschs verhält es sich ähnlich wie mit der von Mahler. Zuerst kamen die Pioniere, die deutlich machten, welche verborgenen – auch politischen – Botschaften in dieser für westliche Ohren damals konventionell und offiziell klingenden Tonsprache verborgen sind. Die Zeiten sind noch gar nicht so lange her, da man mit der bloßen Erwähnung des Namens Schostakowitsch in „fortschrittlich“ sich dünkenden Kreisen bestenfalls ein mitleidiges Lächeln erntete. Dies hat sich nun gottlob geändert, und heute gibt es immer mehr Interpreten, denen es bei der Wiedergabe der Werke vor allem auf den reinen Notentext ankommt – und dies nicht zum Nachteil der Musik.

Zu diesen Interpreten zählt der französische Cellist Marc Coppey. Natürlich finden sich in den beiden Cellokonzerten Schostakowitschs autobiografische und außermusikalische Bezüge, und da beide der Stücke Mstislaw Rostropowitsch gewidmet sind – einem der erwähnten Pioniere –, wurde auch unsere Kenntnis über sie von „Slawas“ Einspielungen geprägt. Im Vergleich mag Coppey etwas leichtgewichtig anmuten, da er sich – ähnlich wie Alban Gerhardt in seiner Aufnahme (Hyperion), aber nicht ganz so konsequent – an Schostakowitschs relativ zügigen Originaltempi orientiert und nicht aus jedem Takt noch mehr Emotionen herauszupressen sucht, als sie ohnehin in die Partituren einkomponiert sind.

Damit steht Coppey allerdings auf der Gewinnerseite, da auf diese Weise jede Gefahr der Larmoyanz, in die die Kompositionen unter weniger berufenen Händen zu geraten drohen, gebannt ist. Dafür ist gelegentlich tatsächlich ein Sonnenstrahl in dieser so bitterernsten Musik zu vernehmen. Dirigent und Orchester begleiten hochkompetent, ohne zusätzlich auf sich aufmerksam zu machen.

Thomas Schulz

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Marc Coppey – Schostakowitsch: Cellokonzerte Nr. 1 und 2

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Schostakowitsch: Cellokonzerte Nr. 1 und 2; Marc Coppey, Polish National Radio Symphony Orchestra, Lawrence Foster (2019); Audite

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