Les Talens Lyriques | Antonio Salieri

Den Pariser Zeitgenossen galt Antonio Salieri als legitimer Gluck-Nachfolger. Nur zwei Jahre vor der Französischen Revolution gelang ihm nach „Les Danaïdes“ und „Les Horaces“ mit „Tarare“ ein musikalischer Paukenschlag! Sicher hätte er, der kaiserliche Hofkapellmeister, für Paris noch mehr komponiert, wenn Marie Antoinette, die Schwester des österreichischen Kaisers, nicht hingerichtet worden wäre. Politik fordert eben Loyalitäten. Salieris erfolgreiches französisches Engagement wurde jäh beendet.


Dabei hatte jeder in Paris den Plot dieser „Revolutionsoper“ verstanden: In wilder und hemmungsloser Leidenschaft lässt König Atar die schöne Astasie, die Ehefrau des tugendhaften Soldaten Tarare, in seinen eigenen Palast entführen. Am Ende wird der krude Despot Atar vom unerschrockenen Tarare als Herrscher abgelöst. Immer wieder kann man sich als Hörer dieser „Entführung in das Serail“ dabei ertappen, dass man Klänge wahrnehmen will, die man aus der „Zauberflöte“ zu erinnern glaubt. Diese Musik ist wirklich großartig. Und Christophe Rousset setzt Salieris reichhaltige und überaus artifizielle Instrumentierung mit dem Originalklangorchester Les Talens Lyriques ebenso eindrucksvoll in Szene. Insbesondere die Posaunen begeistern nicht nur mit wunderbaren Gluck᾽schen Farben, sondern vor allem mit ihrem dramatischen Impetus. Rousset gelingt eine opulente Produktion mit durchweg exzellenten Sängern: Fabelhaft, mit elegant tenoralem Glanz Cyrille Dubois als Tarare, mit affektivem Furor Karine Deshayes als Astasie, kernig-böse Jean-Sébastien Bou als Tyrann Atar, voller Verve in anspruchsvollen Doppelrollen Judith van Wanroij und Tassis Christoyannis.

Martin Hoffmann

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Les Talens Lyriques | Antonio Salieri

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Salieri: Tarare; Cyrille Dubois, Karine Deshayes, Jean-Sébastien Bou, Judith van Wanroij, Enguarrand de Hys, Tassis Christoyannis u.a., Les Talens Lyriques, Chr. Rousset (2018); Aparté (3 CDs)