Leonardo García Alarcón | Draghi/Alarcón: El Prometeo

Einen echten Fund hat Leonardo García Alarcón in der Österreichischen Nationalbibliothek aufgetan: eine der frühesten spanischen Opern, komponiert vom Italiener Antonio Draghi und aufgeführt am Wiener Hof im Jahr 1669 zum Geburtstag von Maria Anna, Tochter Kaiser Ferdinands und Königin von Spanien.


Das Libretto ist äußerst kompliziert. Es geht um den Feuerstehler Prometheus, der seine Statue zum Leben erwecken will und von den Göttern bestraft wird, um die amourösen Abenteuer von Zeus, der der Nymphe Thetis nachstellt, die aber Peleus liebt, und um viele weitere durchaus auch komische Szenen.
Diese Musik eines Italieners in Wien klingt tatsächlich nach spanischem Barock und läuft meist mit rhythmischer Prägnanz, wie man es von den quirligen Zarzuelas dieser Zeit kennt. Das ist aber ganz und gar ein Verdienst von Alarcón und des Assistenten Ariel Rychter, denn die Quellen zeigen nicht viel mehr als den dürren, unausgearbeiteten Tonsatz. 90 Prozent der Musik sind Arrangement, alle Mittelstimmen, die vielen Instrumente von Flöten, Geigen, Posaunen, Harfen bis zum Schlagwerk, Rhythmus und Tempo sowieso, eine brillante Leistung, die die Sänger mit Lust aufgreifen. Zu Herzen gehend singt Mariana Flores als arglose Thetis in glockenreinem Sopran. Und Fabio Trümpy als Prometheus deklamiert wie ein Opernheld von Monteverdi. Den dritten Akt, von dem keine Musik überliefert ist, hat Alarcón selbst komponiert und fügt auf subtile Art frühbarocken italienischen Opernstil, Anklänge an spanisch-sephardische Volkslieder und sogar chorische Oratoriensätze zusammen. Am Schluss hört man eine Arie der strengen Minerva, bei der Alarcón, wie er sagt, sich von Mozart hat inspirieren lassen.

Richard Lorber

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Leonardo García Alarcón | Draghi/Alarcón: El Prometeo

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Draghi/Alarcón: El Prometeo; F. Trümpy, S. Conner, M. Flores, G. Bridelli, B. Quiza u. a., Chœur de Chambre de Namur, Cappella Mediterranea, Leonardo García Alarcón (2018); Alpha (2CDs)