Lennie Tristano | Lennie Tristano/The New Tristano

Wer von Cool Jazz redet, muss auch von Lennie Tristano reden. Der blinde Pianist und Lehrer aus

Chicago, der vor 100 Jahren geboren wurde, erreichte nie das große Publikum, doch er gründete eine Schule, die bis heute nachwirkt.

An meinem ersten Abend in New York hörte ich an der 52. Straße zwei Bands, die ich noch nie live gehört hatte. Da spielte zunächst Charlie Parker mit Max Roach, Miles Davis und Tommy Potter. Nach zwei Sets gingen wir ein wenig die Straße entlang, und schon hörten wir die unglaubliche Musik, die Lennie Tristano, Lee Konitz, Warne Marsh, Billy Bauer, Peter Ind und Al Levitt spielten.“ Hätte der kanadische Pianist Paul Bley sich einen besseren Einstand wünschen können, als er 1950 aus Montreal nach New York kam? Die beiden innovativsten Jazzmusiker der Zeit am selben Abend!
Da wurde die Bedeutung, die ihnen zukam, augenfällig. Denn nicht nur Bley nannte beide im selben Atemzug. Sie wurden verglichen, aneinander gemessen, ihr Innovationsgrad bewertet – auch von Bley, der in seiner Autobiografie „Stopping Time“ resümiert: „Tristanos Musik klang wie atonal, weil sie so anders war als die des damals modernsten Musikers, Charlie Parker. Dabei war Bird dreiklangsbezogener, als man gemeinhin glaubt.“ Kritikereminenz Leonard Feather spielte Tristano nicht nur gegen Parker, sondern gegen die Bebop-Szene insgesamt aus, als er 1950 im „Melody Maker“ titelte: „Lennie Tristano – den Beboppern um 20 Jahre voraus!“

Berthold Klostermann

Zur Übersicht
Lennie TristanoLennie Tristano/The New Tristano

Bei unseren Partnern erhältlich als CD oder Download:

Bestellen bei JPC
Download bei qobuz
Musik:
0,00
Klang:
0,00

The New Tristano (1962). Rhino/Warner