LAN Trio | Atlântico

Der britische Labelmacher Dave Stapleton kann wieder mal ein Trio vorstellen, das nicht im Klavier/Bass/Drums-Format antritt. Nach „Setembro“ (2017) ist „Atlântico“, das zweite Album des Trios Laginha/Argüelles/Norbakken, wieder ein europäischer Jazz-Glücksfall in Zeiten des Brexit-Desasters. Der Wegfall eines Kontrabasses erzeugt erst mal eine besondere Transparenz.


Wie das wachrüttelnde „Jaamm Rek“ zeigt, wissen die drei das voll auszunutzen, das hat Groove und schlägt optimistische Töne in lebendiger Interaktion an. Der Portugiese Laginha bietet Vorgaben – minimale, repetitive, liedähnliche –, die Norwegens gefragtesten Perkussionisten auf verblüffende Ideen bringen, dazu „singt“ der Brite Argüelles durch seine beiden Saxofone.

Mit „Singla“ gelingt, nach etwas schwachen Minuten mit nettem Geplänkel wie aus der TV-Werbung, im vierten Track eine Fortsetzung des vehementen Openers: Argüelles entpuppt sich am Tenor als ein britischer Michael Brecker, das Riff erinnert etwas an Stevie Wonder. „Atlântico“ lebt unter anderem von drei starken Miniaturen, bei denen Norbakken stets der Dreh- und Angelpunkt ist.

Ein Highlight ist auch „Triple Ripple“, das den Klangcharakter jedes Instruments leuchten lässt: das Hölzerne, Metallische, Mineralische usw. Manches erinnert an Chick Corea, anderes wie „Juróom“ an das Jarrett/Garbarek-Quartett zur Zeit von „My Song“, eine Art Freudentanz. Mit „Silêncio“ steigen die drei leise die Leiter hinab, Argüelles bewegt sich mit dem Sopransaxofon völlig entspannt, während Norbakken einmal mehr seine unkonventionelle Schlagkunst beisteuert, alles in allem das vielleicht stärkste Plus dieser durchwachsenen Platte.    
Karl Lippegaus

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LAN Trio | Atlântico
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Musik:
3,50
Klang:
4,00

LAN Trio: Atlântico; Mário Laginha (p), Julian Argüelles (ss, ts), Helge Andreas Norbakken (perc); Edition/Membran

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