La Venexiana | Bononcini: La conversione di Maddalena

Ein zutiefst menschliches Thema wird in diesem Oratorium verhandelt: Soll Maddalena sich der göttlichen Liebe hingeben oder sich lieber an ihrer Schönheit und Jugend erfreuen? Zeit für Buße sei ja immer noch, bedeutet ihr Amor profano. Nach knapp zwei Stunden hat freilich der Gegenspieler Amor divino gesiegt.


Das klingt nach einem rein inneren Konflikt, doch der wird von den vier Darstellern opernhaft nach außen getragen. Marta, Maddalenas Schwester, weiß schon lange, auf welche Seite man sich schlagen soll. In der Arie „Quel volto, quel labro“ zelebriert Marta Fumagalli ein ergreifendes Lamento und singt die schrecklichen Worte, dass Schönheit ein Fraß der Maden werde, tut das aber in schönsten Gesangslinien mit sanfter Violinbegleitung. Dem Amor profano verleiht Matteo Bellotto mit seiner sonoren, beweglichen Bassstimme dagegen einen fast heiteren Ausdruck. In „Piangi, piangi pur“ hält er Maddalena vor, wenn sie auf die Freuden des Lebens, die aus seiner Stimme förmlich heraussprudeln, verzichte, werde das für sie bittere Qualen bedeuten. „Fugge il tempo“, die mahnende Hauptarie des Amor divino, trägt die Sopranistin Francesca Lombardi Mazzulli nicht wie von der Kanzel vor, sondern mit bebender Stimme und größter Emphase. Maddalena selbst ist eine unsichere Person. Mal sind es fröhliche Koloraturen, die Emanuela Galli hinwirft, wenn es um die profanen Verlockungen geht, mal ist es in den Rezitativen ein zu Herzen gehender ängstlicher Ausdruck.
Alle Beteiligten, auch die Instrumentalisten von La Venexiana, zelebrieren „La conversione di Maddalena“, komponiert 1701 für die Wiener Hofburgkapelle, mit einem Maximum an Ausdruck und an Spiel- und Gesangskultur.

Richard Lorber

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La Venexiana | Bononcini: La conversione di Maddalena

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Bononcini: La conversione di Madda- lena; E. Galli, F. Lombardi Mazzulli, M. Fumagalli, M. Bellotto, La Venexiana, G. Palomba (2019); Glossa (2 CDs)