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La Rêveuse | London circa 1720 – Corelli’s Legacy

Der erste Folge dieser kleinen Musikgeschichte Londons erschien bei dem Label Mirare (FONO FORUM 8/2019); nun setzt La Rêveuse seine Zeitreise bei Harmonia Mundi France fort. Der Untertitel und das Programm passen allerdings nur bedingt zum Titel „London circa 1720“, denn jenes Concerto a quattro, das teils Händel, teils Telemann zugeschrieben wird (HWV Anh. B 314 bzw. TWV 43:d3), hat nichts mit London zu tun, und Komponisten wie Babell und Schickhardt verdanken Vivaldis Erbe mindestens genauso viel wie Corellis.

Wie dem auch sei – interpretatorisch überzeugt die vorliegende CD noch mehr als ihre Vorgängerin, denn von deren gelegentlichen Übertreibungen ist hier nichts mehr zu vernehmen. Der Ensemb­leklang ist vollmundig und ausgewogen, die Artikulation nuanciert, die Phrasierung angenehm weit und offen. In Babells Konzert op. 3 Nr. 2 – eher ein Werk mit als für Blockflöte – bringen die Streicher das Geheimnisvolle und das Unbeschwerte gleichermaßen passend zur Geltung, der Virtuosität von Geminianis Violinsonate op. 1 Nr. 4 wird Stéphan Dudermel mit Augenmaß gerecht, und Schickhardts Blockflötenpasticcio aus zwei Concerti grossi des Meisters Corelli ist in der Lesart von La Rêveuse kein Kuriosum, sondern ernsthafte Musik.

An dem „Concerto a quattro“ haben sich schon einige Interpreten abgearbeitet, aber keine haben den teils elegischen, teils sehr intimen Ton so gut getroffen wie nun die Musiker um Benjamin Perrot und Florence Bolton; Gleiches gilt für die von Händel autorisierte Gambenfassung seiner Violinsonate op. 1 Nr. 6. Mit den Arrangements zweier Opernarien zeigt La Rêveuse abschließend, wie „große“ Musik von der Bühne in die Londoner Bürgerstuben geholt wurde – wunderbar!

Matthias Hengelbrock

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La Rêveuse | London circa 1720 – Corelli’s Legacy

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London circa 1720 – Corelli’s Legacy. Werke von Babell, Geminiani, Corelli, Händel und Schickardt; La Rêveuse, Benjamin Perrot, Florence Bolton (2019); Harmonia Mundi

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