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Kristine Opolais, Boston Symphony Orchestra, Andris Nelsons | Schostakowitsch: Sinfonien Nr. 1, 14, 15, Kammersinfonie op. 110a

Eine ganze Lebensspanne deckt diese Folge des Schostakowitsch-Sinfonien-Zyklus mit dem Boston Symphony Orchestra und Andris Nelsons ab. Ein Bogen vom sinfonischen Erstling bis zur 15. Sinfonie, ergänzt um eine Fassung des achten Streichquartetts als Kammersinfonie.

Nelsons beschönigt nichts, er bringt die noch etwas ungelenke Instrumentierungskunst des Konservatoriums-Absolventen ebenso zur Geltung wie die Anspielungen in der letzten Sinfonie. Ein keckes Violinsolo hier, schnarrende Holzbläser dort, auf der einen Seite tragisch gedehnte Streichermelodien, auf der anderen leise mahnende Trommelimpulse. Wenn im Finale der letzten Sinfonie die Wagner-Zitate aufscheinen, erhebt Nelsons das nicht zur Dozierstunde eines Wissenden, sondern formt daraus subtil ein Amalgam von Zitat und Weiterverarbeitung.

Kristīne Opolais singt die (Todes-) Lieder in der 14. Sinfonie stellenweise sehr opernhaft. So schleudert sie die Motive in Malagueña energisch, aber sie betrauert auch sensibel den „Tod des Dichters“ an vorletzter Stelle. Das Boston Symphony Orchestra hat inzwischen seinen Schostakowitsch-Ton verfeinert. Es sind nicht nur die einzeln stark besetzten Fraktionen im Orchester, es ist auch deren gute Abstimmung untereinander, die einen farbenreichen und flexiblen Gesamtklang ermöglichen. Wenn Nelsons einen langen Atem vorgibt, besitzen die inneren Spannungsbögen ausreichend Stabilität, ob bei Solostellen oder im Tutti. Der tendenziell warme Streicherklang kommt in der Kammersinfonie gut zur Geltung, sodass einzelne Attacken sich nicht primär als kalte Gesten vermitteln, sondern ihre Bedeutung im Verbund des Ganzen offenlegen.

Christoph Vratz

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Schostakowitsch: Sinfonien Nr. 1, 14, 15, Kammersinfonie op. 110a; Kristine Opolais, Boston Symphony Orchestra, Andris Nelsons (2017/19); Deutsche Grammophon (2 CDs)

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