Khatia Buniatishvili | Schubert

Man darf das Cover von Khatia Buniatishvilis Schubert-CD sentimental, kitschig oder auch geschmacklos finden – aber es bereitet treffend auf ihre Darstellung der großen B-Dur-Sonate vor. Denn sie wird von ihr wie eine träumerische Erinnerung an eine versunkene Welt vorgeführt. Es dominiert ein weicher, fließender, rhythmisch flexibler Schönklang, der keinerlei Härten kennt und sich im Piano oft bis an die Grenzen der Hörbarkeit wagt.


Buniatishvilis Deutung setzt sich damit sehr deutlich gegen die in Ton und Kontur „klassischeren“ Darstellungen von Brendel, Pollini oder neuerdings Zimerman ab, und sie geht weit über das hinaus, was etwa Uchida oder auch Pires dem letzten vollendeten Werk Schuberts an romantischem Stimmungszauber mitgegeben haben.
Dabei fehlt ihrem Spiel jede Spur von Routine und manieristischem Hautgout. Es entwickelt sich im Gegenteil vollkommen „organisch“, sogar der umfangreiche und gestalterisch schwierige erste Satz gelingt ihr trotz erheblicher Schwankungen der Gangart – zwischen 80 und 120 Vierteln pro Minute! – wie aus einem Guss. Völlig traumverloren dann das Andante. Und auch die beiden lebhaften Sätze 3 und 4 klingen auf ganz eigene, spielerisch perfekte Weise transparent und schwebend.
Unauffälliger, aber auf demselben hohen Niveau sind die anschließenden vier Impromptus der ersten Sammlung. Und als Abgesang gibt Buniatishvili das Liszt-Arrangement von Schuberts „Ständchen“ zu, dessen Anfangszeile ihrem Programm auch als Motto voranstehen könnte: „Leise flehen meine Lieder“ (mit Betonung auf dem ersten Wort).    
Man muss mit diesem spätromantisch umgetopften Schubert nicht einverstanden sein, doch die CD hält eine künstlerisch herausragend eigenständige „Fünfer“-Leistung fest.         

Ingo Harden

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Khatia Buniatishvili

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Schubert: Klaviersonate D 960, Vier Impromptus op. 90; Schubert/Liszt: Leise flehen meine Lieder; Khatia Buniatishvili (2018); Sony Classical